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ein Bild von ebens o origineller Komposition wie leucht-
ender F arbigkeit.
Die Ausstellung von Sigmar Polke bot die Gele-
genheit, sein bereits 1988 erworbenes Gemälde «Neid
und Habgier» zu ergänzen. Das glücklich gewählte, für
ihn zentrale Thema der Alchemie ergab nicht nur eine
bes onders interessante Ausstellung, sondern inspi-
rierte ihn zu mehreren faszinierenden neuen Werken,
von denen die V er einigung Zür cher Kuns tfr eunde
«Levitation» und «Schattenk abinett» erwerben konn-
te. – Auch Christopher Wool v erarbeitet abgekühl te
Informel-Reminiszenzen mit Pop-Verfahren, aller-
dings amerikanisch-elegant. Herbert Brandl, Markus
Gadient und Wilhel m Sa snal hingegen entwick eln ihre
malerischen Untersuchungen aus landschaftlichen
Elementen: sich zu überlegen, was hier zwischen
Farb- und Formelementen in Fläche und Tief e, zwi-
schen Abstraktem und Inhaltlichem – Bergen, Bäu-
men, Fabriken – beim Malen geschieht, artet in ein
sinnlich verwirrendes Abenteuer aus. Nedko Solak ov
und Christine Streuli w iederum gehen von älterer
Kunst aus – der Bulgar e von romantischen Land-
s c haftsbildern, die Schweizerin von frühen Stilleben –
und transformieren sie aktuellen küns tl erischen Fra-
ges te llungen entsprechend.
1925 ents tand als Skulpturengalerie eine eigen-
tümliche Halle mit fünf grossen Fenstern gegen Süden
und vier Wandpfeilern, die auf W unsch der Denkm al-
pflege rekonstruiert wurden, um wenigstens in einem
Raum den neusachlichen Charakter dies es wenig
zweckmässigen A nbaus präse nt zu ha lten. Auf unsere
Einladung r ea lisierte hier Nic Hess eine eigenwillige,
zw eischic htig transparente Arbeit. Ein paar Sc hritte
w eiter steht das von der Swiss Re geschenk te «Gug-
genheim melting», das sich an unsere Gr uppe von Gips-
originalen anschliesst und zugleich als ir onische
Me tapher die Ausu ferungen der Museumswelt und
ihre Risiken thematisiert.
Aus dem organisatorischen Bereich ist die Inte-
grierung der Ruzicka-Stif tung in die Kunstgesellschaft
festzuhalten. 1949 gründete Prof. Dr. Leopo ld Ruzicka
die Stif tung, die einen r epräse ntative n Überblic k über
die hol ländische Malerei auf ihrem Höhepunkt mit etli-
chen Gemälden ersten Ranges biete t. An seiner letz-
ten Sitzung stellte der Stif tungs rat unter dem Vorsitz
von Prof. Dr. Duilio Arigoni, Ruzickas zweitem Nachfo l-
ger auf dem Lehrs tuhl für organische Chemie an der
ETH, fest, dass es nun kaum noch Überl ebende aus
der Zeit des Stifters gebe und damit der Zeitpunkt
gekommen sei, die Stift ung gemäss den von Ruzicka in
weiser Voraussicht getroffenen Bestimmungen als
selbständige Rechtspersönlichkeit aufzuheben und
ihre Samml ung in das E igentum der Kunstgesellschaft
zu überführen. F aktisch ändert sich damit freilich
nic hts; die Gemälde werden weiterhin im Sinne des
Stifters v erwahrt und p räs entiert.
Der Leihverkehr hat einen Ans tieg auf 110 Gemä l-
de und Skulptur en und 134 Werke auf Papier zu ver-
zeichnen und bew egt sich damit im oberen Ber eich
des langjährigen Mittel s. Quantita t iv steht die Dada-
Ausstellung mit 59 Arbeiten mit Abstand an erster
Stelle – man muss gestehen, dass die schwankende
Zusammenarbeit dreier M ammutins ti tute wie die
Nationa l Gallery W a shington, das Mus eum of M odern
Art in New York und das Centre Pompidou über vier
Jahre mit unte rschiedlic he n Konzepten die Arbeit für
die Leihgeber nicht erl eichtert. Nochmals konnten ein
paar Projekte von der Schlies sung der Sa mmlung pro-
fitieren mit Leihgaben wie Rembrandts «Apostel
Simon», der in W ashington und in Malibu ein gutes
Echo fand.
Das von der Schwyzer Stift ung geförderte Projekt
eines vollständigen Kataloges der Sammlung der
Gemälde und Skulptur en nä hert sich s einem Ende. Es
abso r bierte die volle Ener gie des Kons ervat ors und die
länger e oder kürzere Mitarbeit von Dr. Gian Ca sper
Bott, Etienne Lullin, V al entine von Fellenberg und
Franziska Lentzsch, die nach der Durchführung der
Füssli-Aus stellung sich auch wieder dieser Angele-
genheit zuw andte.
CHK