Volltext: Jahresbericht 2006 (2006)

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Aleksandra Mir 
«Switz e rland and Other Is lands» 
Das Ausstellungsprojekt «Switzerla nd and Other 
Isla nds» k onzipierte Aleksandra Mir (*1967) speziell 
fürs Kunsthaus Züric h. Aus gehend von der Idee der 
Schweiz als politischer Insel inmitten von Eur opa 
r ea lisierte die Künstlerin insges amt 23 neue Filzstift- 
Zeichnungen, in denen sie das Motiv der «Insel» mit all 
se inen unte rschiedlic he n Bedeutungen unter suchte: 
Neben politisch-soziologischen flossen auch mytho- 
l ogische oder symbolische Bedeutungen ein. So ent- 
stand eine Art Invent ar oder Enzyklopädie zum Thema 
Inse l, eine Pseudo-Ordnung, mit der die Künstlerin 
jedoch gerade die Absurdität jeglichen Ordnungs- 
systems deutlich machte. Denn alle Kategorien und 
Hierar chien wur den bewusst aufg e hoben. 
Auch in der Präse ntation wurden Grenzen ge- 
sprengt: Sie dehnte sich über den Kabinettraum in den 
ersten Stock des Altbaus aus. Dort hingen drei Ries en- 
formate mit den stolzen Massen von 3,60 x 6 M eter, die 
sozusagen eine zeitgenössische, weibliche Antwort 
auf die mächtigen Wandgemälde von Ferdinand Hodler 
abgaben. Darauf zu sehen waren Variationen der «Ins el 
Schweiz» , u.a. als riesiger Ins el-Kontinen t , umgeben 
von w ilden Monstern. Inspiration für diese v erschie- 
denen Dars te llungen fand Aleksandra Mir so wohl in 
his torischen Landkarten als auch in der zeitgenös- 
sischen Welt von Comics. 
Zur Ausstellung entstand eine Künstlerpublikation 
in Form einer übergrossen Landkarte und Texten in 
Englisch und Deutsch von Ken Hollings zu den ver- 
schiedene n Ins el-Dars te llungen. – Die Ausstellung 
wurde unterstützt von der Erna und Curt Burgauer- 
Stif tung. 
MV 
Albrecht Dürer – Meisterstiche 
Die f ünfzig ausgestellten Meisterblätter stammen 
aus der hochkarätigen Sam mlung des Landamma nns 
Dietrich Schind l er (1795–1882), die mit ihren 230 Dürer- 
Grafi k en im Jahr 2000 dem Kunsthaus geschenkt wur- 
de. Die Druckschönheit der Blä tter, für deren Erwerb 
der Samml er weder Mühe noch Aufwa nd scheut e, galt 
ihm als obers ter G rundsatz. Die grosse Res onanz bei 
Medien und Publikum hat uns alle überrascht. Wir 
danken für das l ebhafte Interesse. Katalog und Bookl et 
waren am Ende der Ausstellung a us verkauft. Dagegen 
wurde die Lesung von Wilhelm Genazino am 6. Deze m- 
ber zum Thema «Der V er dacht gegen das Totsein im 
Leben – Über Trauer und Me lancholie» nur von einer 
kleinen Grup pe besucht. Es war ein Vergnügen, dem 
Autor zuzuhören. Auf Er kl ärungen, Deutungen und 
therapeutische R ezepte wartete man vergeblich. Dafür 
war viel von «ausgeführten» und «durchl ebten» Mela n- 
cholien die Rede, von «permanentem Unterwegs sein» , 
was sich mit unserer Vorstellung vom Künstler, nicht 
nur in der frühen Neuzeit, mühelos verträgt. 
 BvW 
AUSSTELLUNGEN IN DER SAMMLUNG 
Ed Ruscha. Photog rapher 
Das fotografische Werk des 1937 in Nebraska gebore- 
nenen und seit langem in Los Angeles ansässigen 
Zeichners und Mal ers Ed R uscha ist zwar w eniger 
bekannt als seine gr os s formatigen Gemälde, aber es 
wirkte weit revolutionärer und zeigt bis heute eine 
immens e Wirkung auf jüngere Künstler . Sein fotogra- 
fisches Handwerk erlernte R uscha am Chouinar d Art 
Institute in Los Angeles. Die erste grosse fotografische 
Werkgruppe ents tand während einer Europareise 1961. 
Ber eits diese frühen Arbeiten zeigen ihn auf der Suche 
nach einer ganz speziellen, nicht expressiven Ästhetik. 
Die Aufnahmen ignorieren fotografische T raditionen 
bezüglich technischer und kompositorischer Fein- 
heite n, und sie zeigen einen Künstler, der sich viel 
mehr für die alltägliche Zeichensprache der ihm frem- 
den städtischen oder ländlichen Umgebung – wie 
Werbetafeln, Plakate, Schaufenster – interessiert als 
für L a ndschaften, Menschen oder Kunstdenkmäler . 
Zeigt er sich hier noch beeinflusst von Robert Frank, 
dem äussersten Ausläufer einer T radit ion einf ühl ender einf ühl ender
	        
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