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Aleksandra Mir
«Switz e rland and Other Is lands»
Das Ausstellungsprojekt «Switzerla nd and Other
Isla nds» k onzipierte Aleksandra Mir (*1967) speziell
fürs Kunsthaus Züric h. Aus gehend von der Idee der
Schweiz als politischer Insel inmitten von Eur opa
r ea lisierte die Künstlerin insges amt 23 neue Filzstift-
Zeichnungen, in denen sie das Motiv der «Insel» mit all
se inen unte rschiedlic he n Bedeutungen unter suchte:
Neben politisch-soziologischen flossen auch mytho-
l ogische oder symbolische Bedeutungen ein. So ent-
stand eine Art Invent ar oder Enzyklopädie zum Thema
Inse l, eine Pseudo-Ordnung, mit der die Künstlerin
jedoch gerade die Absurdität jeglichen Ordnungs-
systems deutlich machte. Denn alle Kategorien und
Hierar chien wur den bewusst aufg e hoben.
Auch in der Präse ntation wurden Grenzen ge-
sprengt: Sie dehnte sich über den Kabinettraum in den
ersten Stock des Altbaus aus. Dort hingen drei Ries en-
formate mit den stolzen Massen von 3,60 x 6 M eter, die
sozusagen eine zeitgenössische, weibliche Antwort
auf die mächtigen Wandgemälde von Ferdinand Hodler
abgaben. Darauf zu sehen waren Variationen der «Ins el
Schweiz» , u.a. als riesiger Ins el-Kontinen t , umgeben
von w ilden Monstern. Inspiration für diese v erschie-
denen Dars te llungen fand Aleksandra Mir so wohl in
his torischen Landkarten als auch in der zeitgenös-
sischen Welt von Comics.
Zur Ausstellung entstand eine Künstlerpublikation
in Form einer übergrossen Landkarte und Texten in
Englisch und Deutsch von Ken Hollings zu den ver-
schiedene n Ins el-Dars te llungen. – Die Ausstellung
wurde unterstützt von der Erna und Curt Burgauer-
Stif tung.
MV
Albrecht Dürer – Meisterstiche
Die f ünfzig ausgestellten Meisterblätter stammen
aus der hochkarätigen Sam mlung des Landamma nns
Dietrich Schind l er (1795–1882), die mit ihren 230 Dürer-
Grafi k en im Jahr 2000 dem Kunsthaus geschenkt wur-
de. Die Druckschönheit der Blä tter, für deren Erwerb
der Samml er weder Mühe noch Aufwa nd scheut e, galt
ihm als obers ter G rundsatz. Die grosse Res onanz bei
Medien und Publikum hat uns alle überrascht. Wir
danken für das l ebhafte Interesse. Katalog und Bookl et
waren am Ende der Ausstellung a us verkauft. Dagegen
wurde die Lesung von Wilhelm Genazino am 6. Deze m-
ber zum Thema «Der V er dacht gegen das Totsein im
Leben – Über Trauer und Me lancholie» nur von einer
kleinen Grup pe besucht. Es war ein Vergnügen, dem
Autor zuzuhören. Auf Er kl ärungen, Deutungen und
therapeutische R ezepte wartete man vergeblich. Dafür
war viel von «ausgeführten» und «durchl ebten» Mela n-
cholien die Rede, von «permanentem Unterwegs sein» ,
was sich mit unserer Vorstellung vom Künstler, nicht
nur in der frühen Neuzeit, mühelos verträgt.
BvW
AUSSTELLUNGEN IN DER SAMMLUNG
Ed Ruscha. Photog rapher
Das fotografische Werk des 1937 in Nebraska gebore-
nenen und seit langem in Los Angeles ansässigen
Zeichners und Mal ers Ed R uscha ist zwar w eniger
bekannt als seine gr os s formatigen Gemälde, aber es
wirkte weit revolutionärer und zeigt bis heute eine
immens e Wirkung auf jüngere Künstler . Sein fotogra-
fisches Handwerk erlernte R uscha am Chouinar d Art
Institute in Los Angeles. Die erste grosse fotografische
Werkgruppe ents tand während einer Europareise 1961.
Ber eits diese frühen Arbeiten zeigen ihn auf der Suche
nach einer ganz speziellen, nicht expressiven Ästhetik.
Die Aufnahmen ignorieren fotografische T raditionen
bezüglich technischer und kompositorischer Fein-
heite n, und sie zeigen einen Künstler, der sich viel
mehr für die alltägliche Zeichensprache der ihm frem-
den städtischen oder ländlichen Umgebung – wie
Werbetafeln, Plakate, Schaufenster – interessiert als
für L a ndschaften, Menschen oder Kunstdenkmäler .
Zeigt er sich hier noch beeinflusst von Robert Frank,
dem äussersten Ausläufer einer T radit ion einf ühl ender einf ühl ender