Volltext: Jahresbericht 2006 (2006)

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2006 wird als das Jahr der grossartigen Schenkung 
von 94 Skulptur en A lberto G ia comettis durch Bruno 
und Odette Giacometti in die Annal en des Kunsthauses 
und der Alberto Giacome tt i-Stif tung eingehen . Die 75 
Or iginalgipse, die beiden f rühen Plastilin-Arbeiten, 
der Steinkopf und die 15 Bronzen bilden den A nteil des 
Bruders an den nach dem Tod Albertos 1966 unv erteilt 
belassenen Gipsskulpturen und den s either von der 
Witwe A nnette veranlassten Güssen. Nachdem der 
französ ische Staat im Dezember 2003 die von ihr als 
Erbe gewünschte Stif tung genehmigt hatte, k onnte am 
7. April 2004 die Convention sortie d’indivi s ion zwi- 
schen diese r und der Schweizer F amilie unterze i chnet 
werden. Der Transport nach Züric h v erzögerte sich 
nicht zul etzt in Rücksicht auf die Abschaffung einer 
Exporttaxe per Ende 2005. W enige Tage vor der Er- 
öffnung der Präse ntation der Gipse im Kunsthaus 
(s. S. 21), die nun erstmals nach vierzig Jahren wiede r 
zu sehen waren, traf en sie von Paris ein. Damit ver dop- 
pelt sich der Bestand an Skulptur en der Alberto Giaco- 
metti-Stif tung; erst jetzt umfasst die Samml ung das 
Lebens werk Albertos von s einen frühesten bis zu den 
letzten Werken in allen w es entlichen Aspekten und 
zahlreichen, überraschenden Facetten. 
In Anerk e nnung der ausserordentlichen Verdiens- 
te von Bruno und O dette Giacometti um das Werk sei- 
nes Bruders und die Zürcher Sammlun g verlieh ihnen 
der Stadtpräsident am 30. Oktober in einem Festakt im 
kleinen Kreise in den Rä umen der A lberto Giacome tt i- 
Stif tung die Wölfflin-Medaille und gab der Dankbarkeit 
der Stadt Züri ch Ausdruck. 
Bereits im Jahresbericht 2005 musste der Tod von 
René Wehrli geme ldet werden, der von 1950 bis 1976 
als Direktor die Geschic k e des Kunsthauses geleitet 
hatte. Nun wurden die Kunstwerke, die er im V erlauf 
seines Lebens sammelte und dem Kunstha us zudach- 
te, übernomm en. Den faszinierenden «Falken» aus 
der grund l egenden Umbruc hze it der italienischen 
Kunst um 1400 erwarb er offens ic htlich bereits im Hin- 
blick auf die Sa mmlung des Kunsthauses und liess ihn 
auch im Jahresbericht 1961 behandeln. Die beiden 
chronologisch f olgenden Werke lassen die bes ondern 
Vorlieben eines Kunsthis torik er s erkennen: das rät- 
se lhafte Vanitas-Still eben aus der Umgebung von 
Subleyras, das noch s einer Zuw eisung harrt, und die 
kongeniale Interpr etation der grossen Komposition 
des «Einzugs der Kreuzritter in Konstantinopel» von 
Delacroix durch Edgar Degas . Aus den modernen 
Arbeiten ragt die köstliche Landschaft aus der frühen 
Zeit von Dubuffet her aus, in deren Wahl René Wehrlis 
Freunde sogleich seine künstlerische Neugierde und 
feine Ironie erkennen. Bei den W erken von S chweizer 
Künstlern ist an erst er Stelle das zauberhafte «Abend - 
rot am Un tersee» von Adolf Dietrich zu nennen: es ist 
eine jener seltenen, extr emen Farbphantasien, die den 
Berlin ger Autodidakten als wirklich bedeut enden Maler 
ausweisen. Dazu kommen die eindrücklichen Werke auf 
Papier von Mar ées über Doré und Beckmann bis zu Gia- 
come tti, die René W ehrlis früherer Schenkung an die 
Grafische Sammlung die Glanz lich ter aufsetzen. 
Ein ausserordentlich wertvolles Geschenk durften 
wir von der Dr. Carlo Fl eischmann Stiftung entgegen- 
nehme n: eine Gruppe von neun der sehr seltenen 
ori ginal en Fotoarbeiten Herbert Baye rs (1900–1985), 
welche in exemplarischer Weise und in höchs ter 
Qualität die am Bauhaus gepfl egten experimentellen 
äs thetischen Verfahren (Überblendung, F otogramm , 
Collage, Mo ntage, F otopla stik und Typo-Foto) demons - 
trieren und unsere Sammlung historischer künstle- 
rischer Fotografie in exzellenter Weise ber eichern. 
Bruno und Odette Giacometti schenkten zu den vier 
bemalten Ste inen von Max Ernst, die sie schon 1998 
dem Muse um übergeben hatten, auch noch einen 
grösseren behaue nen Stein, der ebenfalls zu dem von 
Ernst bei s einem Aufenthalt in Maloja 1935 angelegten Sammlu ng
	        
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