Volltext: Jahresbericht 2006 (2006)

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In den Jahren von 1907 bis 1911 stand von Hof- 
mann auf dem Zenit seiner Künstlerlaufbahn. Neben 
Bühnenbildern und Kostümen für das Theat er ent- 
s tanden in kurzer Zeit mehrere W andbilder für öffent- 
liche und private Baute n. Als Kr önung s einer Weima- 
rer Jahre wurde er 1907 vom Stuttgarter Architekten 
Theodor Fischer (1862 bis 1938) eingeladen, für den 
Senats saal seines neu errichteten Hauptgebäudes der 
Univers ität von Jena Entwürfe für Wandbilder einzurei- 
chen, die den r epräse ntative n Charakter des R aumes 
unters tr eichen sol lten. Bereits im Janua r des darauf 
folgenden Jahres konnte von Hofmann mit der A usfüh- 
rung des W andbildes beginnen. Das Thema war ihm 
zwar freigestellt, doch schien man sich mit der Wahl 
dieses Künstlers klar für Dars te llungen aus der 
g riechischen Mythologie entschieden zu haben. Kaum 
hatte er eine Skizze mit den Neun Musen für die Ost- 
wand vorgelegt, erteilte man ihm den Auftrag für die 
W es twand. Die hierzu ents tanden e Komposition «Am 
Quell der Weisheit» wurde jedoch nicht realisiert, da 
die Fenster in der Wand eine zusammenhängende 
Komposition erschwerten. Das dr eiteilige Wandbild 
«Musenreigen» von 12 Me tern Länge und 2,40 Me tern 
Höhe, das auf Leinwa nd gemalt und mit Ra hmen an 
der Wand befestigt war, k onnte am 18. September 
1909 der Öffentlichkeit übergeben werden. 
Auf dem Zürcher Entwurf wird deutlic h, dass die 
Wandbilder für Jena ursprünglich als Zyklus in zwei 
antithetischen Kompositionen gepla nt waren. Dem 
dreiteiligen «Musenreigen», der sich unter schattigen 
Bäumen mit ausschlies slich weiblichem Personal 
zuträgt (kein Apoll o führt den Reigen an), antworten 
die Bilder zum «Quell der Weisheit», vier Szene n in der 
Anhöh e einer sonnendurchfluteten Meeresbucht, wo 
vorwiege nd m ännliche Figuren an der Überlieferung 
des Wissens von einer älteren an die ihr folgende 
Generation beteiligt sind. Um die Idee des «Musenrei- 
gens» möglichst direkt und unmittelbar zur Wirkung 
zu br ingen, hat von Hofmann auf archäologische 
Gelehrsamkeit weitgehend ve r zichtet. Durch die ver- 
schiedenen Haltungen und Bew egungen, die vom 
erns ten N achsinnen bis zur ek st atischen Tanzgebärde 
Kräfte Harry Graf Kessler, Henry van de Velde und 
Elisabeth Förster-Nietzsche. Die Berufung und Über- 
siedlung des Mal ers L udwig von Hofmann an die dor- 
tige Gros she r zogliche Kuns tschul e im Jahr 1903 gab 
den Ausschlag für eine ganze Reihe inno vative r Aktivi- 
täte n. Gemeins am versuchten sie die thür ingische 
Residenzstadt in ein modernes Kunstzentrum zu ver- 
wandeln, das im Re formpr ogramm des so gena nnten 
«N euen Weimar» s einen Ausdruck 
f and.4 
Wic htige 
As pekte dies es Reformprogramms beinhalt ete n die 
Aus bildung der Kunststudenten, die Ausstellungen 
von internationa l a nerkannt en Wegbereitern der 
Moderne, Vorträge und Les ungen anerkannter Au toren 
über die Entwicklung in Architektur, Plastik, Malerei, 
Kunstgewerbe, The ater, Literatur, M usik, Phil os ophie 
und Tanz. 
Ludwig von Hofmann gehörte in dies en bewegten 
Weimarer Jahren zu den wichtigsten Exponenten des 
öffentlichen Lebens . Seine Affinität zur französ ischen 
Malerei, gründlic he Kenntnisse der klassischen Ar chä- 
ologie und der Renaissancemalerei sowie längere Stu- 
dienauf enthal te in Rom und Paris bildete n die Voraus- 
s etzung, um den in der Berliner Avantgarde zu Ansehen 
gela ngten Professor, der dort auch mit Munch zus am- 
mengekommen war, mit Ä mtern und Aufträgen zu 
überhäuf en. Im Deze mber 1903 nahm er an der ersten 
V ersa mmlung des «Deutschen Küns tl erbundes» in 
Weimar teil. Im Februar 1904 gehörte er zu den Grün- 
dungsmitgliedern der «Gesellschaft der Kuns tfr eunde 
in Jena und W eimar», in deren Vorstand er über die 
Vergabe des Auftrags an Hodler mitbes timmte. Die 
Euphorie war allerdings von kurzer Dauer. Nach Diffe- 
renzen mit der Obrigkeit und der Abreise Harry Graf 
Kesslers scheiterte das «Neue W eimar» bereits 1906. 
Das Ehepaar von Hofmann begab sich in Begleitung 
des D ichters Gerhart Hauptmann, des sen Sohn ein 
Schül er von Hofmanns war, auf eine a usgede hnte 
Gr iechenl andr eise und lebte dann noch bis zum Umzug 
nach Dresden im Jahr 1916 in der Residenzstadt. Aus 
dem St udium der g riechischen Landschaft gingen 
Pastelle hervor, deren Technik und Motivwahl die Ent- 
wurfsze i chnungen zu den Wandbildern beeinflussten. beeinflussten.
	        
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