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DI ETER MEIER UND DAS KUNSTHAUS
DieterMeierunddasKunsthausZürich–dagibtes
e inige, weit zurückliege nde und auch neuere Anknüp-
fungs pun kte. Die ter Meier, der zuerst als Expe rimen-
talfilmer und Schrif tstell er begonnen hatte, trat in den
späten 60er Jahren als Konzeptkünstler mit markanten
Aktionen im öffentlichen Raum in Erscheinung. So
stellte er sich 1969 vor dem Kunsthaus Zürich während
fünf Tagen in ein von ihm ausgestecktes Quadra t, um
jeweils in achtstündige r A rbeit in absurder Weise
Schrauben zu zählen und in Säcklein a bzufüll en.
1976/77 fand dann in den Erdgeschossräumen im
Kunstha us eine von Felix Baum ann kuratierte A usstel-
lung sta tt, «Diete r Meier, Werke 1974 –76», wo Meier
erstmals seine nun vermehrt fotografisch als
«T ableaux» k onzipier ten Arbe iten wie «Jumps», 1974,
«Fl ying Sculptures», 1976, «Blue Ball Portraits» oder
«Behind Flowers», beide 1976, präsentierte. Ich selber
wurde dam als als Modellinder zul etzt erwähnten Serie
verewigt und erinnere mich an des Künstl ers Erläute-
rungen,etwasindieWeltsetzenzuwollen,dasbedeu-
tungsvo ll aussehe, ohne es zu sein.
Die ter Meier ist heute aber be sonders als Musiker,
Sänger des Duos «Yello» international beka nnt. Seit
1980 erschienen zahlreiche Platten und CDs, doch
mischtersichgerneundoftauchals origineller Poseur
und Geschichtenerzähl er in eigener Sache in die Medi-
en,was vonder T atsache ablenkte, dass die künstleri-
sche Arbeit zwar mit Unterbrüchen immer wieder wei-
tergeführt worden ist.
Es war also Zeit, sich das Gesamtwerk genauer
anzusehen und mit dem Künstl er über die Erwerbung
einer grösseren Werkgruppe zu diskutie r en. Diese hat
Di eter Meier grosszügigerweise ergänzt mit der Schen-
kung der «Dokumentationen» se iner frühen Aktionen.
Sie umfassen das bes chrie bene «Schraubenzähl en»,
die «Ga ngb estätigung am Hel vetiaplatz», 1970, aber
auch«ThisManWillnotShoot»von1971,woDieter
Meier mit einer Pistole bewehrt am Eingan g des New
York Cultural Ce nter sta nd. Vor seinen Füss en lag eine
Schrifttafel mit der Be teue rung, dass die ser Mann nicht
schiessen werde. Eine weitere Dok umentatio n dreht
sichumdieAktion«TwoWords»,woMeier1971ander
57.StrasseinNewYorkdenPassantenein«Ja»bzw.
ein «Nein» für einen Dol lar abkaufte.
In die Sammlung des Kunsthauses Zürich gelan-
gennunauchneuereWerke,soetwa ausderSerie«In
the Picture» von 1999, wo kleine, handgeformte rudi-
mentär e Figuren auf vorgefundene Fotos ges etzt und
literarisiert werden. Oder aus der Serie «As Time Goes
by» von 2005, wo Meier als fiktive Person posiert, die
dreissig Jahre gealtert, neben einem e benso posierten,
aber authentis ch alten Foto aus den 70er Jahren zu
sehen ist. Etwaals Steve Rundell,der wie es heisst
«unter Bew ährung als Maler und Taxifahrer ausserhalb
San Francisco lebt» oder als Erwin «Radu» Stangel,
einem ehemaligen Wie ner Möbelverkäufer, der irgend-
wann von einem religiösen Wahn ergriffe n worden ist. Bice Curige r