Volltext: Jahresbericht 2007 (2007)

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DI ETER MEIER UND DAS KUNSTHAUS 
DieterMeierunddasKunsthausZürich–dagibtes 
e inige, weit zurückliege nde und auch neuere Anknüp- 
fungs pun kte. Die ter Meier, der zuerst als Expe rimen- 
talfilmer und Schrif tstell er begonnen hatte, trat in den 
späten 60er Jahren als Konzeptkünstler mit markanten 
Aktionen im öffentlichen Raum in Erscheinung. So 
stellte er sich 1969 vor dem Kunsthaus Zürich während 
fünf Tagen in ein von ihm ausgestecktes Quadra t, um 
jeweils in achtstündige r A rbeit in absurder Weise 
Schrauben zu zählen und in Säcklein a bzufüll en. 
1976/77 fand dann in den Erdgeschossräumen im 
Kunstha us eine von Felix Baum ann kuratierte A usstel- 
lung sta tt, «Diete r Meier, Werke 1974 –76», wo Meier 
erstmals seine nun vermehrt fotografisch als 
«T ableaux» k onzipier ten Arbe iten wie «Jumps», 1974, 
«Fl ying Sculptures», 1976, «Blue Ball Portraits» oder 
«Behind Flowers», beide 1976, präsentierte. Ich selber 
wurde dam als als Modellinder zul etzt erwähnten Serie 
verewigt und erinnere mich an des Künstl ers Erläute- 
rungen,etwasindieWeltsetzenzuwollen,dasbedeu- 
tungsvo ll aussehe, ohne es zu sein. 
Die ter Meier ist heute aber be sonders als Musiker, 
Sänger des Duos «Yello» international beka nnt. Seit 
1980 erschienen zahlreiche Platten und CDs, doch 
mischtersichgerneundoftauchals origineller Poseur 
und Geschichtenerzähl er in eigener Sache in die Medi- 
en,was vonder T atsache ablenkte, dass die künstleri- 
sche Arbeit zwar mit Unterbrüchen immer wieder wei- 
tergeführt worden ist. 
Es war also Zeit, sich das Gesamtwerk genauer 
anzusehen und mit dem Künstl er über die Erwerbung 
einer grösseren Werkgruppe zu diskutie r en. Diese hat 
Di eter Meier grosszügigerweise ergänzt mit der Schen- 
kung der «Dokumentationen» se iner frühen Aktionen. 
Sie umfassen das bes chrie bene «Schraubenzähl en», 
die «Ga ngb estätigung am Hel vetiaplatz», 1970, aber 
auch«ThisManWillnotShoot»von1971,woDieter 
Meier mit einer Pistole bewehrt am Eingan g des New 
York Cultural Ce nter sta nd. Vor seinen Füss en lag eine 
Schrifttafel mit der Be teue rung, dass die ser Mann nicht 
schiessen werde. Eine weitere Dok umentatio n dreht 
sichumdieAktion«TwoWords»,woMeier1971ander 
57.StrasseinNewYorkdenPassantenein«Ja»bzw. 
ein «Nein» für einen Dol lar abkaufte. 
In die Sammlung des Kunsthauses Zürich gelan- 
gennunauchneuereWerke,soetwa ausderSerie«In 
the Picture» von 1999, wo kleine, handgeformte rudi- 
mentär e Figuren auf vorgefundene Fotos ges etzt und 
literarisiert werden. Oder aus der Serie «As Time Goes 
by» von 2005, wo Meier als fiktive Person posiert, die 
dreissig Jahre gealtert, neben einem e benso posierten, 
aber authentis ch alten Foto aus den 70er Jahren zu 
sehen ist. Etwaals Steve Rundell,der wie es heisst 
«unter Bew ährung als Maler und Taxifahrer ausserhalb 
San Francisco lebt» oder als Erwin «Radu» Stangel, 
einem ehemaligen Wie ner Möbelverkäufer, der irgend- 
wann von einem religiösen Wahn ergriffe n worden ist. Bice Curige r
	        
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