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Grenzen und darüber hinaus. Der Zürcher Steindru-
cker Thomi Wolfensberger wurde für die technische
Untersuchung der Blätter beigezogen und konnte an
den Originalen auf die feinen Unterschiede von Offs et-
und Handoffsetverfahren, aber auch auf die visuellen
Resultate der unterschiedlichen Interventionen des
Künstlers aufmerksam machen.
Dr. Dirk Dobke, Kurator und Leiter der Dieter
Roth Foundation Hamburg, und Maurice Ziegler hal-
fen uns, durch Vergleiche mit anderen Grafiken Roths
den Stellenwert dieses Arbeitsmaterials im Schaffen
des Künstlers auszuloten. Analog zu einem ähnlichen
Konvolut in der Graphischen Sammlung der ETH wur-
den die Handzeichnungen und Zustandsdrucke als
den Editionsblättern gleichwertig ins Inventar der Gra-
fischen Sammlung des Kunsthaus Zü rich aufgenom-
men. Denn sie geben Einbl ick in die Schaffensprozes-
se des Künstlers, bei denen die Zwischenschritte über
eine Eigenständigkeit verfügen, die sie dem signierten,
datierten und nummerierten Original gleichsetzen.
Dass alle diese Blätter als geschlossene Grup pe und
in sehr gutem Zustand überdauert haben, ist einmalig.
Für das Kunsthaus Zürich ist der Eingang dieses Kon-
voluts ein Glücksfall, denn es ergänzt einen Schwer-
punkt der Sammlung in einer Weise, die eine vertiefte
Auseinandersetzung mit dem Schaffen Dieter Roths,
aber auch mit den gestalterischen Möglichkeiten des
Offset-Drucks möglich macht.
Zahlreiche Leihgesuche beschäftigten das Team
der Grafischen Sammlung: Insgesamt wurden im
vergangenen Jahr 5847 Arbeiten im Studiensaal vor-
gelegt. Zu dieser ungewöhnlich hohen Zahl tru gen
Recherchen für verschiedene grosse Ausstellungs-
Die von Laura Mahlstein betreute Ausstellung «Dieter
Roth–BlickeineinUniversum»(sieheauchS.20)bil-
dete das Resultat einer eingehenden Auseinanderset-
zung mit dem 2004 erworbenen Konvolut von 17 Hand-
zeichnungen auf halbtransparenten Mattfilmfolien
und 46 teils beidseitig bedruckten Zustandsdrucken,
in denen Dieter Roth seine fünf Offset-Blätter für die
«Kunstmappe Schweizerische Mobiliar» 1977 vorbe-
reitete. Diese gelangte bereits 1980 als Schenkung in
die Grafische Sammlung des Kunsthauses.
Die Zustandsdrucke und Vorzeichnungen wurden
in Zusammenarbeit mit externen Spezialisten gesich-
tet und im Schaffen des Künstlers genau verortet.
Erste Hinweise zu Technik und Arbeitsweise Die ter
RothskamenvonAntonMeier,der2004dieBlätterdas
erste Mal öffentlich zeigte und von dem die Grafische
Sammlung sie erwarb. Er vermittelte den Kontakt zum
ehemaligen Reproleiter der Druckerei Imprimeries
Réunies in Lausanne, Herrn Theodor Zbinden, der
1977 in einer einwöchigen Zusammenarbeit mit Dieter
Roth die gesamte Edition mitsamt allen Zustandsdru-
cken hergestellt hatte. Ihm überliess der Künstler das
ganze Material. Die genaue Chronologie des Arbeits-
prozesses lässt sich anhand der vorhandenen Blätter
nur schwer rekonstruieren. Roth entwickelte die fünf
Editionsblätter nacheinander, griff aber immer wieder
auf bestehende Zeichnungen und schon gedruckte
Blätter zurück, veränderte sie, kombinierte sie neu,
zerkratzte oder zerschnitt sie oder spiegelte einzelne
Partien. Dieter Roth war aufdemFeld der Druckgra-
fik nicht nur Künstler, sondern auch Spezialist. Immer
wieder forderte und beanspruchte er die gelernten
Fachkräfte und technischen Möglichkeiten bis an ihre Grafische Sammlu ng