Full text: Jahresbericht 2009 (2009)

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Grenzen und darüber hinaus. Der Zürcher Steindru- 
cker Thomi Wolfensberger wurde für die technische 
Untersuchung der Blätter beigezogen und konnte an 
den Originalen auf die feinen Unterschiede von Offs et- 
und Handoffsetverfahren, aber auch auf die visuellen 
Resultate der unterschiedlichen Interventionen des 
Künstlers aufmerksam machen. 
Dr. Dirk Dobke, Kurator und Leiter der Dieter 
Roth Foundation Hamburg, und Maurice Ziegler hal- 
fen uns, durch Vergleiche mit anderen Grafiken Roths 
den Stellenwert dieses Arbeitsmaterials im Schaffen 
des Künstlers auszuloten. Analog zu einem ähnlichen 
Konvolut in der Graphischen Sammlung der ETH wur- 
den die Handzeichnungen und Zustandsdrucke als 
den Editionsblättern gleichwertig ins Inventar der Gra- 
fischen Sammlung des Kunsthaus Zü rich aufgenom- 
men. Denn sie geben Einbl ick in die Schaffensprozes- 
se des Künstlers, bei denen die Zwischenschritte über 
eine Eigenständigkeit verfügen, die sie dem signierten, 
datierten und nummerierten Original gleichsetzen. 
Dass alle diese Blätter als geschlossene Grup pe und 
in sehr gutem Zustand überdauert haben, ist einmalig. 
Für das Kunsthaus Zürich ist der Eingang dieses Kon- 
voluts ein Glücksfall, denn es ergänzt einen Schwer- 
punkt der Sammlung in einer Weise, die eine vertiefte 
Auseinandersetzung mit dem Schaffen Dieter Roths, 
aber auch mit den gestalterischen Möglichkeiten des 
Offset-Drucks möglich macht. 
Zahlreiche Leihgesuche beschäftigten das Team 
der Grafischen Sammlung: Insgesamt wurden im 
vergangenen Jahr 5847 Arbeiten im Studiensaal vor- 
gelegt. Zu dieser ungewöhnlich hohen Zahl tru gen 
Recherchen für verschiedene grosse Ausstellungs- 
Die von Laura Mahlstein betreute Ausstellung «Dieter 
Roth–BlickeineinUniversum»(sieheauchS.20)bil- 
dete das Resultat einer eingehenden Auseinanderset- 
zung mit dem 2004 erworbenen Konvolut von 17 Hand- 
zeichnungen auf halbtransparenten Mattfilmfolien 
und 46 teils beidseitig bedruckten Zustandsdrucken, 
in denen Dieter Roth seine fünf Offset-Blätter für die 
«Kunstmappe Schweizerische Mobiliar» 1977 vorbe- 
reitete. Diese gelangte bereits 1980 als Schenkung in 
die Grafische Sammlung des Kunsthauses. 
Die Zustandsdrucke und Vorzeichnungen wurden 
in Zusammenarbeit mit externen Spezialisten gesich- 
tet und im Schaffen des Künstlers genau verortet. 
Erste Hinweise zu Technik und Arbeitsweise Die ter 
RothskamenvonAntonMeier,der2004dieBlätterdas 
erste Mal öffentlich zeigte und von dem die Grafische 
Sammlung sie erwarb. Er vermittelte den Kontakt zum 
ehemaligen Reproleiter der Druckerei Imprimeries 
Réunies in Lausanne, Herrn Theodor Zbinden, der 
1977 in einer einwöchigen Zusammenarbeit mit Dieter 
Roth die gesamte Edition mitsamt allen Zustandsdru- 
cken hergestellt hatte. Ihm überliess der Künstler das 
ganze Material. Die genaue Chronologie des Arbeits- 
prozesses lässt sich anhand der vorhandenen Blätter 
nur schwer rekonstruieren. Roth entwickelte die fünf 
Editionsblätter nacheinander, griff aber immer wieder 
auf bestehende Zeichnungen und schon gedruckte 
Blätter zurück, veränderte sie, kombinierte sie neu, 
zerkratzte oder zerschnitt sie oder spiegelte einzelne 
Partien. Dieter Roth war aufdemFeld der Druckgra- 
fik nicht nur Künstler, sondern auch Spezialist. Immer 
wieder forderte und beanspruchte er die gelernten 
Fachkräfte und technischen Möglichkeiten bis an ihre Grafische Sammlu ng
	        
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