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Restaurierung
Gemäld e und Skulpturen
Nachdem bereits im Jahresbericht 2008 das Projekt zu
Alberto Giacomettis Gipsskulpturen angekündigt wur-
de, kann nun dank grosszügiger Unterstützung durch
die Stavros Niarchos Foundation und die Ars Rhenia
Stiftung über den Start des bisher wohl umfassends-
ten Konservierungs- und Restaurierungsprojektes in
der Geschichte des Kunsthauses berichtet werden. Im
Oktober begannen die Untersuchungen der 75 Gips-
skulpturen aus der Schenkung von Odette und Bru-
no Giacometti an die Alberto Giacometti-Stiftung. Ein
für dieses Projekt zusammengestelltes mehrköpfiges
Team versucht vor allem Fragen zu Herstellung und
Funktion der einzelnen Objekte zu beantworten. Wich-
tige Indizien geben die grösstenteils noch vorhandenen
herstellungsbedingten Spuren, die sorgfältig zu iden-
tifizieren und richt ig zu interpretieren sind. Spezialis-
ten der Kunstgeschichte, Gipsrestaurierung sowie der
Abform- und Gusstechniken stehen dem Kernteam
beratend zur Seite. Im September 2012 wird die reine
Forschungszeit mit einer Zwischenpräsentation der
Ergebnisse abgeschlossen. Direkt im Anschluss sol-
len bis Sommer 2014 destabilisierte oder gefährdete
Gipse restauratorisch und konservatorisch bearbeitet
werden.
Das von Herbert Distel 1970–77 realisierte Sch ub-
ladenmuseum kam nach40 Jahren inein schwieriges
Alter. Sich zersetzende, Flecken bildende Leime, ver-
fä rbte und «durchblutende» Klebestoffe, alte Diaposi-
tive und abgebaute Transistorenteile und Tonbänder
stellten uns vor knifflige und vielfältige Probleme. Die-
se konnten dank der finanziellen Unterstützung der
Bank Julius Bär anlässlich des Jubiläums «100 Jah-
re Kunsthaus Zü rich» durch ein Konservierungs- und
Restaurierungsprojekt in Zusammenarbeit mit der
Studentin Anja Schlegel vom Fachbereich Konservie-
rung und Restaurierung der Hochschule der Künste
Bern grösstenteils gelöst werden.
Frau Schlegel hatte nicht nur die Aufgabe, das
gesamte «Museum» eingehend und im Detail zu doku-
mentieren, sondern auch die wichtigsten erhaltungs-
technischen Massnahmen zu ergreifen und umzuset-
zen.Sowarennichtnurdie500Werke,sonderndie
Vielschichtigkeit und Vielfältigkeit der Fragenstellun-
gen und komplexen Materialkompositionen das grosse
Problem. Dafür konnte sie unter Mithilfe von spezia-
lisierten Kollegen anderer Fachrichtungen geeignete
Lösungen zur Bearbeitung finden. Nach Abschluss
der Restaurierung wurde das Werk von Oktober 2010
bisJanuar2011indenRäumenderBankJuliusBärin
Zü rich ausgestellt. An dieser Stelle gilt unser grosser
DanksowohlderBankJuliusBärwieauchAnjaSchle-
gel für das gelungenen Resultat.
WiejedesJahrkonntenwirauch2010auftat-
kräftige temporäre Mitarbeiter und M itarbe iterinn en
für das Alltagsgeschäft zählen. So war Frau Elke
Cwie rtnia als Assistenzrestauratorin vom 1. Se ptem-
ber 2009 bis Ende September 2010 in unserer Werk-
statt beschäftigt. Sie unte rstü tzte uns mit grossem
Elan bei zahlreichen Restaurierungsarbeiten und bei
den Ausstellungswechseln. Frau Janina Mic aus der
Akademie der Bildenden Küns te Wien verbrachte ihr
Som merpra ktiku m bei uns. Sie be arbe itete vor allem
das fragile Gemälde von Jean Paul Riopelle, «Com-
pos ition» von 1951, das starke Malschichtlockerungen aufwies.