6
to Giacomettis, das Bildnis seines Schiersers Schul-
freundes Simon Bérard – wir sind überzeugt, dass
gera de dieser so sorgfältig in auserlesenen Farben
komponierte, etwas träumerische Jünglingskopf Gus-
tav Zumsteg besonders gefallen hätte.Esist das erste
der beiden Portraits des Kommilitonen und zeigt die
beginnende Auseinandersetzung mit dem Pointillis-
mus, der in der von Tizians sog. «Ariost» inspirierten
Halbfigur voll entfaltet ist. Bis jetzt war das frühes-
te im Kunsthaus vorhandene Gemälde Albertos das
anspruchsvolle Selbstbildnis von 1921; nun lässt sich
auch dieerstePhaseseiner Malerei mit ihrem eigenen
Cha rme auf ihrem Höhepunkt 1918 hier studieren.
Als Verm ächtnis von Irene Myrtha Reichenberg-
Stoop kamen drei repräsentative s üdital ien ische
Landschaften von Johann Jacob Frey in die Samm-
lung, einem Basler, der nach Rom übersiedelte und
dessen qualitätvolle s pätrom antis che Szenerien sich
im obersten Segment des interna tion al en Touristen-
milie us grosser Beliebtheit erfreuten, während sie in
Schweizer Museen kaum vertre ten sind. Eine nordi-
sche Sommerfrische zeigt das Meerbild von Albert
Marquet, ein Legat von Ellen Schuppl i-Ste inberg,
das seine Hänge probe zwischen Matisse und Derain
ers taun lich gut bestand. Aus der Ferne erreichte uns
von Marcella Bren ner ein grosses Gemälde aus dem
Nachlass ihres Mannes M orris Louis , «De lta Zone»,
das in seiner lyrischen, transparent fliessenden Dyna-
mik seine Kunst besser ve rtritt als das vorhandene
Streifen bild. Alfred Ho fste tter, der Lebenspartner
von Bessy Na ger, schenkte aus ihrem Nachlass drei
«Satelliten» zu den «Voyageurs immobiles», ihrer
le tzten grossen A rbeit, deren Erwerbung beim viel zu
Mit der Neueinrichtung des Altbaus 2005 wurde
deutlich, dass hier dank der Stiftungen von Leopold
Ruzicka und David Koetser eine eindrückliche Samm-
lung Alter Meister zusammen gekommen ist. Durch
gelegentliche Erwerbungen versuchen wir, ihren spe-
zifischen Charakter behutsam weiterzuentwickeln und
ihr einen eigenen Klang zu verleihen. Dies ermöglichen
die Zuwendungen der Dr. Joseph Scholz Stift ung, die
uns nach dem Stilleben von Sebastian Stoskopff nun
ein ebenso bedeutendes und ungewöhnliches Gemäl-
de schenkt, Hendrik Terbrugghens «Verkündigung
Mariae». Der Utrechter, der als einer der ersten Hol-
länder in Caravaggios Bannkreis geriet, war zugleich
der begabteste und originellste Vermittler der neuen
realistischen Strömung in den Norden. Bekannt blie-
ben seine malerisch attraktiven Genre-Halbfiguren,
während die künstlerisch anspruchsvolleren, aber
sehr eigenwilligen Kompositionen lange verkannt
blieben. Nicht von ungefähr war er in der Altmeister-
Ausstellung «Unbekannte Schönheit», die René Wehr-
li 1956 im Kunsthaus zusammenstellte, mit einem
Hauptwerk, der «Pflege des heiligen Sebastian»,
prominent vertreten. So freuen wir uns, dass das Ver-
mächtnis von René Wehrli und Marie-Louise Bleuler
die ergänzende Finanzierung ermöglichte. Die Gestal-
tung des Themas fasziniert den heutigen Betrachter
vor allem durch die leuchtende Farbgebung mit der
erstaunlichen Gelb-Dominante des Engels und durch
die Bravour der malerischen Umsetzung der Materia-
lität und ihrer Abstufungen.
Der anderen Stiftu ng, die uns regelmässig Erwe r-
bungen ermöglicht, der Hulda und Gustav Zumsteg-
Stiftung, verdanken wir ein reizendes Frühwerk Alber- Sammlun g