Volltext: Jahresbericht 2010 (2010)

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to Giacomettis, das Bildnis seines Schiersers Schul- 
freundes Simon Bérard – wir sind überzeugt, dass 
gera de dieser so sorgfältig in auserlesenen Farben 
komponierte, etwas träumerische Jünglingskopf Gus- 
tav Zumsteg besonders gefallen hätte.Esist das erste 
der beiden Portraits des Kommilitonen und zeigt die 
beginnende Auseinandersetzung mit dem Pointillis- 
mus, der in der von Tizians sog. «Ariost» inspirierten 
Halbfigur voll entfaltet ist. Bis jetzt war das frühes- 
te im Kunsthaus vorhandene Gemälde Albertos das 
anspruchsvolle Selbstbildnis von 1921; nun lässt sich 
auch dieerstePhaseseiner Malerei mit ihrem eigenen 
Cha rme auf ihrem Höhepunkt 1918 hier studieren. 
Als Verm ächtnis von Irene Myrtha Reichenberg- 
Stoop kamen drei repräsentative s üdital ien ische 
Landschaften von Johann Jacob Frey in die Samm- 
lung, einem Basler, der nach Rom übersiedelte und 
dessen qualitätvolle s pätrom antis che Szenerien sich 
im obersten Segment des interna tion al en Touristen- 
milie us grosser Beliebtheit erfreuten, während sie in 
Schweizer Museen kaum vertre ten sind. Eine nordi- 
sche Sommerfrische zeigt das Meerbild von Albert 
Marquet, ein Legat von Ellen Schuppl i-Ste inberg, 
das seine Hänge probe zwischen Matisse und Derain 
ers taun lich gut bestand. Aus der Ferne erreichte uns 
von Marcella Bren ner ein grosses Gemälde aus dem 
Nachlass ihres Mannes M orris Louis , «De lta Zone», 
das in seiner lyrischen, transparent fliessenden Dyna- 
mik seine Kunst besser ve rtritt als das vorhandene 
Streifen bild. Alfred Ho fste tter, der Lebenspartner 
von Bessy Na ger, schenkte aus ihrem Nachlass drei 
«Satelliten» zu den «Voyageurs immobiles», ihrer 
le tzten grossen A rbeit, deren Erwerbung beim viel zu 
Mit der Neueinrichtung des Altbaus 2005 wurde 
deutlich, dass hier dank der Stiftungen von Leopold 
Ruzicka und David Koetser eine eindrückliche Samm- 
lung Alter Meister zusammen gekommen ist. Durch 
gelegentliche Erwerbungen versuchen wir, ihren spe- 
zifischen Charakter behutsam weiterzuentwickeln und 
ihr einen eigenen Klang zu verleihen. Dies ermöglichen 
die Zuwendungen der Dr. Joseph Scholz Stift ung, die 
uns nach dem Stilleben von Sebastian Stoskopff nun 
ein ebenso bedeutendes und ungewöhnliches Gemäl- 
de schenkt, Hendrik Terbrugghens «Verkündigung 
Mariae». Der Utrechter, der als einer der ersten Hol- 
länder in Caravaggios Bannkreis geriet, war zugleich 
der begabteste und originellste Vermittler der neuen 
realistischen Strömung in den Norden. Bekannt blie- 
ben seine malerisch attraktiven Genre-Halbfiguren, 
während die künstlerisch anspruchsvolleren, aber 
sehr eigenwilligen Kompositionen lange verkannt 
blieben. Nicht von ungefähr war er in der Altmeister- 
Ausstellung «Unbekannte Schönheit», die René Wehr- 
li 1956 im Kunsthaus zusammenstellte, mit einem 
Hauptwerk, der «Pflege des heiligen Sebastian», 
prominent vertreten. So freuen wir uns, dass das Ver- 
mächtnis von René Wehrli und Marie-Louise Bleuler 
die ergänzende Finanzierung ermöglichte. Die Gestal- 
tung des Themas fasziniert den heutigen Betrachter 
vor allem durch die leuchtende Farbgebung mit der 
erstaunlichen Gelb-Dominante des Engels und durch 
die Bravour der malerischen Umsetzung der Materia- 
lität und ihrer Abstufungen. 
Der anderen Stiftu ng, die uns regelmässig Erwe r- 
bungen ermöglicht, der Hulda und Gustav Zumsteg- 
Stiftung, verdanken wir ein reizendes Frühwerk Alber- Sammlun g
	        
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