Volltext: Jahresbericht 2010 (2010)

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CHRISTOPH BÜC HEL 
«HAUSMEISTER (DEUTSCHE GRAMMATIK)» 
Christoph Büchel gehört zu den wichtigsten Schweizer 
Gegenwartskünstlern und hat sich seit den neunziger 
Jahren mit komplexen Rauminstallationen und kon- 
zeptuellen Projekten einen Namen in der internatio- 
nalen Kunstwelt gemacht. Seit längerem wurde der 
Ankauf eines bedeutenden Werkes des 1966 in Basel 
geborenen Künstlers fürs Kunsthaus erwogen, doch 
es brauchte einige Zeit, bis der Entschluss für den 
Erwerb von «Hausmeister (Deutsche Grammatik)» 
(2008) gefasst wurde – nicht zuletzt weil Büchels Wer- 
ke dieInstitution Museum und ihre Abläufe vor grosse 
Herausforderungen stellen. Im Berichtsjahr war es 
dann soweit, und der Ankauf von «Hausmeister (Deut- 
sche Grammatik)» wurde beschlossen. 
Christoph Büchel geht von aktuellen gesell- 
schaftspolitischen Fragestellungen aus. Er trans- 
portiert reale Situationen in den Kunstraum und ver- 
wandelt diese so in eine modellhafte Anordnung für 
Phänomene unserer Zeit. Seine Installationen sind wie 
dreidimensionale Collagen, die sich meist über mehre- 
re Räume erstrecken und von den Besuchern sowohl 
psychisch wie auch physisch entdeckt und erlebt wer- 
den müssen. Dieses unmittelbare und unvoreinge- 
nommene Erleben der Installation ist für Büchel wich- 
tig. Er inszeniert Räume mit ganz unterschiedlichen 
Atmosphären, die sich aus Versatzstücken unserer 
Realität zusammensetzen und oft etwas Verstören- 
des oder Beunruhigendes haben. Büchel rückt die 
Schattenseiten unserer Existenz in den Vordergrund 
undlegtdenFingergenauaufjeneStellen,diesonst 
bewusst oder unbewusst nur zu gerne ausgeblendet 
werden. Für seine ausufernden, gleichzeitig aber auch 
sehr präzisen Raumabfolgen verwendet der Künstler 
vorgefundenes Material, das er auf dem Internet, in 
Brockenhäusern, Auktionen oder bei Hausauflösun- 
gen findet. Er scheut dafür keinen Aufwand und kauft 
manchmal sogar ganze Restaurants oder Kegelbah- 
nen – wie beispielsweise für die Ausstellung «Deut- 
sche Grammatik», die 2008 im Fridericianum in Kassel 
stattfand. 
Christoph Büchel verwandelte das ganze Haus 
in eine Gesamtinstallation, die die jüngere deutsche 
Geschichte und die aktuellen politischen und gesell- 
schaftlichen Strukturen des Landes auf eindrückliche 
Weise thematisierte. Neben den 2000 m2 Ausstellungs- 
fläche im Haus besetzte Büchel auch den geschichts- 
trächtigen Friedrichsplatz gleich vor dem Friderici- 
anum. Er pflügte den Platz kurzerhand als Acker um 
und versteckte das Denkmal des Landgrafen Friedrich 
II, das zentral auf dem Platz steht, unter einem Silo. 
Den Titel der Ausstellung leitete Büchel von Jacob 
Grimm ab,der 1818 als Bibliothekar im Kasseler Fri- 
dericianum den ersten Band seiner Deutschen Gram- 
matik schrieb. «Deutsche Grammatik» verband somit 
die Reflexion der Gegenwart mit einer historischen 
Perspektive und setzte sich mit der Geschichte des 
Ortes und des Fridericianums als ältestes Museums- 
gebäude des europäischen Festlandes ebenso ausei- 
nander wie mit der aktuellen Situation Deutschlands. 
Gleich am Eingang der Kunsthalle installier- 
te Büchel eine MacGeiz-Filiale, die auch als solche 
betrieben wurde. Im Innern rei hte er collagenartig Räume mit ganz unterschiedlichen Funktionen und
	        
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