Volltext: Jahresbericht 2012 (2012)

PHILIPPE DE CHAMPAIGNE 
DAS S CHWEISST UCH DER HEIL IGEN 
VERONIKA 
Der in Brüssel geborene Philippe de Champaigne 
(1602 –1674) gehört zu den grossen Barockmalern der 
fra nzösis chen Tradition. Sein Gemä lde des sogena nnten 
Schweisstuches der Heiligen Veronika reiht sich in eine 
alte Bil dtraditio n ein, die es aber neu interpretiert. 
Das Gemälde wurde aus New Yorker Kunsthandel 
erworben und war bis zu seinem erstmaligen Auftauchen 
an einer Pariser Auktion von 2008 unbekannt; es wird 
seitdem als eigenhändiges Werk Philippe de Champaignes 
geführt.1 
Zuvor war die Kompo s ition lediglich aufgrund von 
danach angefertigten Stichen be kannt, name ntlich denje- 
nigen von de Champaignes Schül er Nicolas de Plattemon- 
tagne und den von Barthélemy K ilian. Der zweitgenannte 
Stich ist 1654 datiert, was uns eine verlässliche Angabe 
gibt, wann das zugrunde liegende Gemälde spätestens 
entstanden sein 
mus s.2 
Wir sehen ein oben an beiden Sei ten aufgehängtes 
Tuch, das vor einer flach en Maue rnische hängt, die an ein 
verma uertes F enster oder einen Bilderrahmen erinner t. 
Das Tuch zeigt das lebende Antlitz Chr isti während des- 
sen P assion. Während das Tuch Falten wirft , ist das darau f 
gezei gte Ge sicht faltenlos. Im Typus steht es dem Gesi cht 
Christi in einer ganzfigurigen Passionsdarstellung von 
der Hand de Champaignes nahe, die auf um 1655 datiert 
worden 
ist.3 
Chr istus bli ckt uns gefasst an, sein blutiges 
Ges icht zeigt die Spuren der erlitt enen Miss hand lung en. 
Unterhalb des Gesichts fliessen Blutstropfen auf dem Tuch 
abwärts – ein interessantes De tail: denn offensichtlich ist 
gem eint, dass sie sozusa gen nicht dorthin gela ngten, als als
	        
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