Volltext: Jahresbericht 2012 (2012)

Inszenierung (Nische, Trennung von hängendem Tuch 
und Dornenkrone) verleiht der K ünstler dem trad itionel- 
len Bildmotiv neue Gestalt. Er findet so eine innovative 
An twort auf die alte Frage nach der Darstellbarkeit des 
hei ligen, da «ungema lten» Bildes. Wie stets bei Darstel- 
lungen des Schweisstuches ist dabei unw eigerlich auch 
die Malerei selber Thema. Denn das jenseits aller Malerei 
liegende Schw eisstuch der Heili gen Veronika ist ein Bild 
auf Textil – und somit verwandt mit dem, was Malerei 
ist (besonders s olche auf Leinwand). Mit se iner beson- 
deren Anordnung b etont de Champaigne diesen Aspekt 
sogar : Sein Tuch wirkt so, als sei es gerade erst eben an- 
geheftet und in seine Position pa rallel zur Bildfläche ge- 
bracht worden. Vor unseren Augen vereint der Künstler 
das ungemalte Bild mit dem gemalten. – Und tut dies auf 
seiner Leinwand bei aller Schlichtheit vir tuos mit eben 
jener Kunst der Malerei, die ja gerade von diesem Motiv 
überf or dert sein sollte. 
Wir haben es also mit einem a ltmeister lichen Werk 
zu tun, das in besonders intensiver Weise auch von der 
Kunst selber spricht. Ein solches Werk aber kann gerade 
in einer Sammlung wie der des Kun sth auses bis in die Ge- 
genwart hi nein Präsenz entfalten. 
  Philippe Büt tner 
1  Die Prov enienz lautet Otto Naumann, New York (ausg estellt an der TEFAF 2012), 
zuvor Sotheby’s, Nachmittagsauktion «Tableaux et Dessins Anciens», Paris 
25.6.2008, Los 48, S. 68 –72. Die frühere Provenienz ist nicht publiziert. A usg estellt 
in «Art and Illusions: Masterpieces of Trompe l’œil from antiquity to the present 
day», Ausst.-Kat. Palazzo Strozzi, Flor enz 2009 /10, Nr. II.13, S. 130 –131. Litera- 
tur: Bernard Dorival, Philip pe de Champaigne, 1602 –1674. La vie, l’œuvre, et le 
catalog ue r aisonné, Paris 1976, Bd. II, S. 142, Nr. 260 (dort als unbekanntes Werk 
b ezeichnet). Das Gemälde wurde zuletzt in den USA etwas stark gereinigt, leichte leichte
	        
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