Inszenierung (Nische, Trennung von hängendem Tuch
und Dornenkrone) verleiht der K ünstler dem trad itionel-
len Bildmotiv neue Gestalt. Er findet so eine innovative
An twort auf die alte Frage nach der Darstellbarkeit des
hei ligen, da «ungema lten» Bildes. Wie stets bei Darstel-
lungen des Schweisstuches ist dabei unw eigerlich auch
die Malerei selber Thema. Denn das jenseits aller Malerei
liegende Schw eisstuch der Heili gen Veronika ist ein Bild
auf Textil – und somit verwandt mit dem, was Malerei
ist (besonders s olche auf Leinwand). Mit se iner beson-
deren Anordnung b etont de Champaigne diesen Aspekt
sogar : Sein Tuch wirkt so, als sei es gerade erst eben an-
geheftet und in seine Position pa rallel zur Bildfläche ge-
bracht worden. Vor unseren Augen vereint der Künstler
das ungemalte Bild mit dem gemalten. – Und tut dies auf
seiner Leinwand bei aller Schlichtheit vir tuos mit eben
jener Kunst der Malerei, die ja gerade von diesem Motiv
überf or dert sein sollte.
Wir haben es also mit einem a ltmeister lichen Werk
zu tun, das in besonders intensiver Weise auch von der
Kunst selber spricht. Ein solches Werk aber kann gerade
in einer Sammlung wie der des Kun sth auses bis in die Ge-
genwart hi nein Präsenz entfalten.
Philippe Büt tner
1 Die Prov enienz lautet Otto Naumann, New York (ausg estellt an der TEFAF 2012),
zuvor Sotheby’s, Nachmittagsauktion «Tableaux et Dessins Anciens», Paris
25.6.2008, Los 48, S. 68 –72. Die frühere Provenienz ist nicht publiziert. A usg estellt
in «Art and Illusions: Masterpieces of Trompe l’œil from antiquity to the present
day», Ausst.-Kat. Palazzo Strozzi, Flor enz 2009 /10, Nr. II.13, S. 130 –131. Litera-
tur: Bernard Dorival, Philip pe de Champaigne, 1602 –1674. La vie, l’œuvre, et le
catalog ue r aisonné, Paris 1976, Bd. II, S. 142, Nr. 260 (dort als unbekanntes Werk
b ezeichnet). Das Gemälde wurde zuletzt in den USA etwas stark gereinigt, leichte leichte