C HRISTIAN MARCLAY
THE CLOCK
Christian Marclays (*1955) Kunst bezieht sich im-
mer irgendwie auf Musik, auf Sound oder übergeordnet
auf die ganzen Ers cheinung sphä nomene, welche mit der
E nts tehung, Vermittlung und dem Genu ss von Musik ein-
her gehen. In seinem «inter diszi plinär en» Tun ist Marclay
jedoch ganz bildender Künstler . Seine erste n künstleri-
schen Impulse nahm er auf im Umfeld von Fluxus im Genf
der 1970er Jahre, wo er aufwuchs. Sei ther hat Christian
Marclay in Skulpturen, Installationen, Collagen aus den
diversesten Materialien wie Möbeln, Magnettonbän-
dern, CDs, Plattenumschlägen, Musikinstrumenten sei-
ne Kunstwerke erschaffen. Gleichzeitig entstanden auch
zahlreiche Video filme , und er trat und tritt immer w ieder
in Perf o rmances auf, so bereits in den frühen 1990ern als
sophistizierter DJ und «S cratcher» .
Im Herbst 2010 ste llte Christian Marclay vor einem
staun enden und begeis terte n P ublikum in London und an-
schliessend an der Biennale in Venedig 2011 (wo er den
Go ldenen Löwen gewann) erstmals seinen als «opus ma-
gnum» einzuor dnenden Film «The Clock» vor, an dem er
einige Jahre mit einem Team gearbeitet hatte. Ein Film,
der ganze 24 S tunden lang ist, unzählbar viele Geschich -
ten erz ählt und zug leich auch als Uhr funktioniert. Es ist
eine Uhr mit anthropologischem Tiefgang. Eine Collage,
die aus tausenden von Spielfilmsequenzen zusammenge-
schnitten ist, in welchen die Uhrzeit die treibende Kraft
in Bild, Ton und Emoti on darstellt. Es ist ein hypno tischer
Sog, der von diesem Film Minute für Minute ausgeht.
Rasch wird klar, dass die Zeit, die Zeitausdehnung,
die Handlungen der Menschen und vor allem auch der der