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AKTIVITÄTEN
erschwerte aber die Notwendigkeit, die Werke mit Plexiglas-
Hauben zu schützen, die direkte, ungefilterte Wahrnehmung.
Zudem übertönten die im Anbau der 1970er Jahre zum Teil
sehr präsenten Beton-Brüstungen und Metall-Geländer die
subtile, zerbrechliche Präsenz der Werke. Als Alternative
wurde in Zusammenarbeit mit Ausstellungsarchitekt Ulrich
Zickler ein grosser Sockel installiert, der die unschönen Ar-
chitekturelemente verbirgt und es möglich macht, die Wer-
ke zueinander in Bezug zu setzen und sie ohne Hauben zu
zeigen.
Wie bereits angedeutet, war das Jahr 2012 auch bezüglich
der in die Sammlung eingegangenen Werke ausserordent-
lich. Zuerst seien Geschenke und Legate erwähnt. In erster
Linie ist dabei der bedeutende Zuwachs an Werken von Al-
berto und Giovanni Giacometti zu nennen, den das grossherzi-
ge Legat eines der grössten Förderer des Kunsthauses, Bru-
no Giacometti, mit sich brachte. Im Einzelnen sind von Gio-
vanni Giacometti und seinen Söh nen zu verzeichnen: 52 Ge-
mälde und 491 Zeichnungen und Aquarelle von Giovanni, 12 Ge-
mälde, 21 Plastiken und 94 Zeichnungen und Aquarelle von
Alberto, 2 Gemäl de, 6 plastische Arbeiten, 28 Zeichnungen
von Diego sowie 2 Zeichnungen von Bruno. Dazu k ommen
1 Gemälde, 6 Plastiken und 10 Zeichnungen und Aquarelle
von anderen Künstlern, darunter Brunos Paten Ferdinand
Hodler. Alle Gemälde und Plastiken des Legates wurden in-
ventarisiert und sind im Verzeichnis aufgeführt. Abgesehen
von den drei Arbeiten Ferdinand Hodlers dauert der Prozess
der detaillierten Inventarisierung bei den Arbeiten auf Papier
hingegen noch an, zu denen noch 23 druckgrafische Werke
von Alberto und 129 von Giovanni Giacometti zu rechnen sind.
Das Legat wird auf S. 60 anhand der ihm gewidmeten Aus-
stellung näher vorgestellt.
Ganz besonders grosszügig zeigte sich auch Franz Wassmer,
der bedeutende Werke von Dieter Roth und Pipi lotti Rist
schenkte und unsere Sammlung betreffend d ieser Künst-
ler auf hochwillkommene Weise ganz markan t verstärkte.
Die Dr. Josep h Scholz Stiftung ermöglichte den Ankauf ei-
nes singulären barocken Gemäl des von Philippe de Cham-
paigne. Weitere grosszügige Schenkungen von Ruedi Becht-
ler, Roman Signer, Katharina Schmidt und von der Dr. Georg
und Josi Guggenheim-Stiftung sind in den Listen der einge-
gangenen Werke dokumentiert.
Von den Eingängen in die Sammlung (s. S. 46 – 54) werden
fünf Highlights im Abbildungsteil ausführlich gewürdigt. Ne-
ben dem erwähnten Gemälde von Philippe de Champaigne
gehören dazu vier zeitgenössische Werke: Die im Zuge der
Biennale in Venedig von 2011 weltweit bekannt gewordene
Arbeit «The Clock» von Christian Marclay, die zusammen
mit der Luma Foundation erworben wer den konnte, eine
eindrucksvolle z eichnerische Arbeit von Helen Mirra, ein
spektakuläres, auf Glas gemaltes Werk des Zürcher Künst-
lers David Renggli und der aufsehenerregende «Grundstein»
von Urs Fischer für den Erweiterungsbau. Überhaupt stand
das Jahr stark im Zeichen der zeitgenössischen Kunst. Zu
verzeichnen sind dabei Werke von T homas Hirschhorn so-
wie weitere Arb eiten von Urs Fis cher . Eine starke Präsen z
entfaltet auch die Fotografie, darunter Werke von Thomas
Demand, Thomas Flechtner, Stephen Shore und die beein-
druckende Arbeit «Me as Sander» von Gillian Wearing.
Im Jahr 2012 wurde der Schenkungsvertrag aus dem Jahr
1989 der Marc Rich Collection über 77 fotografische Werke
im gegenseitigen Einvernehmen mit dem damaligen Schenk-
geber modifiziert: Der Schenkgeber erhielt zwölf Werke, alle
übrigen gehen ohne weitere Auflagen in das Eigentum der
Zürcher Kunstgesellschaft über.
Das Jahr 2012 war auch eines der intensiven Ausl eihtätig-
keit. Insgesamt wurden an 78 Destinationen (2011: 75 Desti-
nationen) 104 Werke aus dem Bereich der Sam mlung (2011:
117 Werke) ausgeliehen, dazu kamen 21 Werke aus der Gra-
fischen Sammlung (2011: 150 Werke), 2 Werke aus der Dada-
Sammlung und 6 Werke aus der Alberto Giacometti-Stiftung.
Im Z usam menhang mit der Sammlung nicht unerwähnt
bleiben darf die Pensionierung von Robert Brändli. Während
39 Jahren war er für die Zürcher Kunstgesellschaft tätig und
hat sich als leitender Art Handler der Sammlung mit dem
Installieren und Aufbewahren der Sa mmlung sowie mit der
Einrichtung zahlloser Sonderausstellungen beschäftigt. Er
hat sich so über die Jahrzehnte vielfältige Kenntnisse und
Erfahrungen angeeignet und war auch aufgrund seiner of-
fenen Art und sei ner steten Hilfsbereitschaft ein sehr wert-
voller und geschätzter Mitarbeiter des Hauses. Dem neuen
Sammlungskonservator war er im Ber icht sjahr eine ganz
besondere Hilfe, dafür herzlichen Dank. Philippe B üttner