Volltext: Jahresbericht 2013 (2013)

v erwendet diese aber ander s oder v erändert sie so, dass sich 
plötzlich neue Lesarten eröffnen. Das Thema der Leere spielt 
dabei eine zentrale Rolle – auch bei «Untitled (Auguste & 
Cl own)» . Denn die bei den im Titel anges pr ochen en Akteure feh- 
len. Nur ihre Kostüme li egen verlassen auf den gelbblauen 
Manege-Elementen. Die Vorstellung von etwas, das nur in sei- 
ner Abwesenheit gegeb en ist, besc häftigt die Kün stlerin seit 
Län ger em und spie lt auch in «Untitled (Auguste & Clown)» wie- 
der eine zentrale Rolle. 
Das Ganze hat trotz der intensiven Farbigkeit etwas Melan- 
cholisches. Es ist kein lustiger Zirkus, den uns Latifa Echakhch 
präsentiert. Die Manege-Elemente in «Untitled (Auguste & 
Clown)» sind so angeordnet, dass sich der Kreis nach der Hälf- 
te auflöst und zum Schluss in einem chaotischen Haufen endet. 
Auf die sem Trümmerberg li egen die zwei Clown-Kostüme: ei- 
nerseits jenes des etwas schusslig-doofen Augus t, anderseits 
jenes des eleganten Clowns, den man auch als weissen Clown 
k ennt. Dieser r epräsentiert den edlen Typus des Clowns, der 
dem doofen August jeweils moralische Ratschläge gibt. Doch in 
«Untitl ed (Auguste & Cl own)» sche int auch der weis se Clown 
mit seiner Weisheit am Ende zu sein. Für die Künstlerin ist es, 
als ob die beiden Clowns zusammensitzen und «in einem philo- 
sophischen Gespräch über das Ende der Welt reden». 
Ein düsteres Bild, das Latif a E chakhch hier entwirft. Sie 
nennt die Anordnung im Raum auch «Stillleben» und verweist 
damit bewusst auf die Geschichte der Malerei. Das Malerische 
spie lt in dem Werk denn auch eine wichtige Rolle, was die Ver- 
wendu ng der Komplementärfarben Gelb-Bl au zei gt. Zum ers- 
ten Mal überh aupt arbeit et die Künstlerin mit einer so bunt en 
Farbpalette. Sie knüpft damit an die Kunstgeschichte und die 
Darstellung des Zirkusmotivs an. Besonders schön daher, dass 
sich in der Sammlung des Kunsthauses wunderbare Werke von 
Georges Rouault mit Darstellungen des tragischen Clowns be- 
finden, die nun in einen interessanten Dialog mit der neu erwor- 
benen Arbei t von Latifa Echakhch treten. 
Mi rjam Varadinis 
71 1971_Kun sthaus Jahresbericht 2013 Teil 1_14 0328.in dd   25 31.03.1 4   14:22
	        
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