v erwendet diese aber ander s oder v erändert sie so, dass sich
plötzlich neue Lesarten eröffnen. Das Thema der Leere spielt
dabei eine zentrale Rolle – auch bei «Untitled (Auguste &
Cl own)» . Denn die bei den im Titel anges pr ochen en Akteure feh-
len. Nur ihre Kostüme li egen verlassen auf den gelbblauen
Manege-Elementen. Die Vorstellung von etwas, das nur in sei-
ner Abwesenheit gegeb en ist, besc häftigt die Kün stlerin seit
Län ger em und spie lt auch in «Untitled (Auguste & Clown)» wie-
der eine zentrale Rolle.
Das Ganze hat trotz der intensiven Farbigkeit etwas Melan-
cholisches. Es ist kein lustiger Zirkus, den uns Latifa Echakhch
präsentiert. Die Manege-Elemente in «Untitled (Auguste &
Clown)» sind so angeordnet, dass sich der Kreis nach der Hälf-
te auflöst und zum Schluss in einem chaotischen Haufen endet.
Auf die sem Trümmerberg li egen die zwei Clown-Kostüme: ei-
nerseits jenes des etwas schusslig-doofen Augus t, anderseits
jenes des eleganten Clowns, den man auch als weissen Clown
k ennt. Dieser r epräsentiert den edlen Typus des Clowns, der
dem doofen August jeweils moralische Ratschläge gibt. Doch in
«Untitl ed (Auguste & Cl own)» sche int auch der weis se Clown
mit seiner Weisheit am Ende zu sein. Für die Künstlerin ist es,
als ob die beiden Clowns zusammensitzen und «in einem philo-
sophischen Gespräch über das Ende der Welt reden».
Ein düsteres Bild, das Latif a E chakhch hier entwirft. Sie
nennt die Anordnung im Raum auch «Stillleben» und verweist
damit bewusst auf die Geschichte der Malerei. Das Malerische
spie lt in dem Werk denn auch eine wichtige Rolle, was die Ver-
wendu ng der Komplementärfarben Gelb-Bl au zei gt. Zum ers-
ten Mal überh aupt arbeit et die Künstlerin mit einer so bunt en
Farbpalette. Sie knüpft damit an die Kunstgeschichte und die
Darstellung des Zirkusmotivs an. Besonders schön daher, dass
sich in der Sammlung des Kunsthauses wunderbare Werke von
Georges Rouault mit Darstellungen des tragischen Clowns be-
finden, die nun in einen interessanten Dialog mit der neu erwor-
benen Arbei t von Latifa Echakhch treten.
Mi rjam Varadinis
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