52
AKTIVITÄTEN
FERDINAND HODLER. DIE WAHRHEIT
Ferdinand Hodler schuf zwei Fassungen seiner bedeu-
tenden Komposition «Die Wahrheit», die sich beide im
Kunsthaus Zürich befinden. Die erste Fassung entstand
1902. Das z weite, stärk er stili sierte Bild schuf H odler 1903
für die A uss tellung in der Wiener Secession 1904. Es ist
seit 1930 als Depositum der Stadt Züri ch im Kunsthaus.
Aufgrund der Maltechnik wies die erste Fassung unte r-
schiedliche Probleme auf und bedurfte der Restaurie-
rung. Von Januar bis Dezember 2012 wurde das Gemälde
durch Viola Möckel unter der Leitung von Chefrestaurator
Hanspeter Marty ausführlichen Untersuchungen unterzo-
gen und anschliessend umfassend restauriert.
Damit wurde ein kraftvolles und zugleich subtiles Haupt-
werk von Hodler neu erschlossen und konnte gemeinsam
mit der zweiten Fassung im Hodlersaal des Kunsthauses
ausgestellt werden. Bernhard von Waldk irch präsentier-
te dazu selten gezeigte Zeichnungen und vorbereitende
Skizzen aus der grafischen Sammlung, welche die Ent-
wicklung von Hodlers Kompositionsidee aufzeigten. Die
gemeinsame Präsentation der beiden monumentalen
Ölbilder ermöglichte es, deren markant verschiedenen
malerischen Charakter zu studieren. Dabei erschien die
zweite, endgültige Fassung glatter und stärker stilisiert,
während die erste ihr gegenüber rauer und archaischer
wirkt. Anlässlich der Präsentation wurde auch der span-
nende historisch-politische Ko ntext erläutert, in dem sich
das Bild situierte. Dieses Bildmotiv war ursprünglich im
Zusammenhang mit der Bildid ee für «Der Tag» entstan-
den, wurde später aber durch Hodler mit dem heutigen
Titel versehen. Der Künstler machte nachträglich gel-
tend, die Idee des B ildes sei aus Pr otest gegen die damal s
hochaktuelle, unrechte Verbannung des französischen
Hauptmanns Al fred Dreyfus entstanden. Zur Ausstellung
erschien eine Publikation in der Reihe der Sammlungs-
hefte mit Beiträgen von Viola Möckel und Bernhard von
Waldkirch, die sowohl die restauratorischen Massnahmen
als auch die neuesten Forschungserkenntnisse zum Kon-
text und der Entstehung der Gemälde umfasst.
Die Restaurierung wurde unterstützt durch The Bank of
America Merrill Lynch Art Conservation Project.
Philippe Büttner
CHAGALL. MEISTER DER MODERNE
Seit vielen Jahren pla nten wir das Projekt einer grossen
Ausstellung über Marc Chagall (1887 – 1985). Der Künst-
ler ist in Züri ch kein Unbekannter: Seine Gla sfe nster für
das Fraumünster gehören ebenso zu den Attraktionen
für viele Besucherinnen und Besucher der Stadt wie die
umfangreiche Sammlung seiner Gemälde im Kunsthaus,
und nicht zuletzt ist seine enge Freundschaft mit unseren
Gönnern Hulda und Gust av Zumsteg unvergessen. Tobia
Bezzola, der mit Simonetta Fraquelli als Co-Kuratorin zu-
sammenwirkte, ist es zu verdanken, dass wir im Frühjahr
2013 eine umfangreiche Ausstellung zu seinem Frühwerk
z eigen konnten mit mehr als achtzig Ge mälden und Aqua-
rellen aus seiner Zeit in Russland und Paris zwischen
71 1971_Kun sthaus Jahresbericht 2013 Teil 2_14 0328.in dd 52 31.03.1 4 14:27