FRIED RICH OTTO GEORGI
ANS ICHT VON ZÜRICH, 1865
Diese grossformatige V edute von der Hand des Leipziger
Malers F riedrich Otto Georgi (1819 –1874) gilt als R arität, denn
wä hrend zahlreiche grafische Blätter existieren, sucht man
gemalte Pano r a maansichten von Züri ch aus d ieser Zeit sonst
vergeblich. Das Bild stammt aus der Seidenhändlerfamilie
Goedecke, die in Leipzig und Zürich ansässig war und diese
V edute in Auftrag gegeben hat. Gerahmt von einer saftig grü-
nen Komp osit ion mit einem dominierenden Baum, Staffage-
figuren, mit einer Marktfahrerin in Wehntaler Tracht und zwei
eleganten Damen – womöglich Mitglieder der Familie Goe-
decke –, weitet sich im warmen Licht die Stadt Zürich aus.
Dahinter sind der See und die Bergketten zu erkennen. Dieser
für Georgi typische Aufbau wandte er auch in seinen vi elen
Orient-Gemälden an, für die er als «Orient- Geo rgi» b erühmt
wurde. Die Ägyptenreise des Ägypto logen Karl Richard
Leps ius, die Geor gi als Zeic hner 1843 begleiten d urfte, legte
dabei den Grundstein sein er dem Naturstudium verpflichteten
Zeichnung und die V erwendung des warmen, weichen
Lichts.1
Der in Leipzig und Dresden a ktive Georgi steht ausserdem in
der wichtigen Tradition der Landschaftsmalerei in Sachsen,
die sowo hl vom pittoresken U mland des Elbtals und der säch-
s ischen Schw eiz, wie von den Romantikern, etwa Caspar David
Friedrich oder Ludwig Richter, geprägt
war.2
Ebenfalls ein-
flussreich waren Carl Gustav Carus' «Neun Briefe über die
Landscha f tsmaler ei» (erstmals publiziert 1831) an Goethe, in
denen er die Vereinbarkeit zwischen dem romantischen und
dem rationalistischen, analytischen Blick auf die Natur ver-
handelt.
So finden wir auch bei Georgi eine V erbindung zwischen
idyllischer Landsc haft, a krib ischer Wiedergabe der T opogra -
fie, k ompos itoris chen K onventione n und Verweisen auf exis-