GIOVANNI SEGANTINI
IL FRUTTO DELL’ AMORE, 1892
Es ist bekannt, dass die Zeichnungen von Giovanni
Sega ntini (1858 –1899 ) m eistens nach e igenen Gemäld en ge-
schaffen wurden. Der Grund für die mangelnde Wertschätzung
seiner Past elle, Rötel-, Kohle-, Bleis tift- und Kr eidezeichnu n -
gen liegt darin, dass man diese Arbeite n lange Zeit als Kopien,
Reproduktionen oder Repliken verkannte. Seit Anfang der
1880er-Jahre hielt Segantini seine wichtigsten Gemälde in
Zeichnungen fest. Von den meisten gemalten Hauptwerken
sind deshalb zumindest eine, manchmal sogar mehrere soge-
nannte N achzeic h nungen
erhalten.1
Währ end Segantini seine
Landschaftsmotive meist draussen in der Natur ma lte, blieb
das Zeich nen am Tisch im Lampen licht den Abendstu nden und
den Tagen mit schlechtem Wetter vorbehalten. Die aus dem
Kunsthandel2
erworbene, 1892 datierte und signierte Rötel-
zeichnu ng «Il frutto dell’amore» bezieht sich auf das drei Jah-
re früher entstandene Gemälde mit gleichem Titel im Muse um
der b ildenden Künste in
Leipzig3.
Sie galt lange als verschol-
len und tauch te er stmals 2004 in einer denkwürdigen Ausstel-
lung im K unstm useum Chur wie der auf. Ausserdem sind der
S egantini-Literatur noch zwei weiter e Varianten bekannt, wo-
von die eine als verschollen gelten kann und die andere, die
künstlerisch eindeutig schwächste, als Gesc henk Segantinis
nach Adelaide, an die National Gallery of South Australia , ge-
la ngte.4
Vergleicht man die Rötelzeic h nung im Kunsthaus Zü-
rich mit dem Gemälde, dann fällt zweierlei auf: erstens die
bildmässige Gesamtwirk ung, die mit der Rahmung hervorge-
hoben wird, und zw eitens die «d ivisi onistis che» Mikrostruk-
tur, durch die das Bildgefüge mit seinen disparaten Bild- und
S tilel ementen (M utter und Kind, Baum und La ndschaft, Natu-
ralismus und Sy mbolismus) zusamme ngehalte n wird. Dass es
sich bei dem meisterhaft durchgeführten Zürcher Blatt mit mit