sein en statt lic hen Bildmassen um mehr als eine Nachzeich-
nung hand elt, wird spätestens vor dem Original nachvollzieh-
bar. Das nuanc enr eiche rote Kolo rit, das durch eine ausgeklü-
gelte St richeltechnik die Konturen aufweicht und die Formen
einander angleicht, schafft jene autonome Bildwirklichkeit,
für die Segantinis Zeichnungen zu Recht bewundert werden.
Die etwas derben Gesichtszüge des weiblichen Modells mit
dem zu gross geratenen Sä ugling bleiben im Gemälde isol iert
von Baum und Landschaft. Segantini bedauerte es, dass ihm
die Synthese von Traum und Wirklichkeit bei diesem früh en
Versuch einer symbolistischen Komposition noch nicht zur
vollen Zufriedenheit gelungen war. Umso mehr gewinnt die
Zeichnung an Bedeutung. In mehreren Einzelhe iten weicht sie
vom Gemä lde ab, am sinnfälligsten in der Umfunktionierung
des Baumstamms in einen schwebenden Seitenast, der mit
seinen V erzweigungen Erde und Himmel v er klammert. Durch
solche V eränderungen gelan g es Segantini, die bekannten Mo-
tive no chmals zu überdenken und sie mit neuen Bedeutungen
aufzu l aden. Die hohe Wertschätzung der Zeichnung zeigt sich
nicht zul etzt im Durcharbeiten des Blatte s bis zu den Rändern ,
dem durch Beimi schung von Goldstaub eine subl ime Qual ität
beigemesse n wird.
Bernhard von Waldkirch
1 Beat Stutzer (Hg.), Giovanni Segantini. Zeichnungen, Ausst.-Kat. Bündner Kunst-
museum Chur, Zürich 2004, S. 12.
2 Oliver Wick danke ich für seine professionelle Unterstützung bei den Verhand -
l ungen mit dem früheren Besitzer.
3 «Il frutto dell’amore», 1889, Öl auf Leinwand, 88,2 × 57,2 cm, u.r. signiert und da-
tiert (Quinsac 562).
4 Quinsac 565 (Pastell? Masse unbekannt, gilt als verschollen); Quinsac 564 (um
1898 –18 99, Bleistift und Rötel auf braunem Papier, 20,9 × 15,6 cm).