Full text: Jahresbericht 2015 (2015)

43 AKTIVITÄTEN 
Das Berichtsjahr war auch in Sachen Neuzugänge von 
grossem Interesse. Dabei sind als Erstes bedeutende 
Schenkungen zu erwähnen: This Br unner übertrug dem 
Kunstha us seine herausragende Sammlung von Werken 
des amerikanischen Künstlers, Filmemachers und Per- 
formers John Waters. Dieser schillernde und authenti- 
sche Vertreter der Pop Art lotet tabulos, augenzwinkernd 
und legendär stilsicher Bildlichkeiten an der Wasser- 
sch eide zwischen «es ist Kunst» und «spielt es eine Rolle, 
ob es Kunst ist?» aus. Die Sammlung konnte im Rahmen 
einer inspirierenden Ausstellung (s. S. 56) im Ka binett und 
im Untergeschoss gezeigt werden und wurde in einem 
Katalog im Detail vorgestellt. Im Herbst 2015 schliesslich 
schenkte Herr Dr. med. Dami an Haffter die Pl astik «Ritter 
Georg» des im und am Kunsthaus bereits mit wichtigen 
Werken vertretenen Bildhauers Carl Burckhardt (S. 20). 
Ein weiteres bedeutendes Werk wurde durch Prof. Dr. 
Andr es Giedion Rie sch und Verena Clay-Giedion in Erinne- 
rung an Carola Giedion-Welcker (1893 –1979) und ihren 
Mann Siegfried Giedion geschenkt. Die mit Kurt Schwit- 
ters und Constantin Brancusi, Hans Arp und James Joyce 
befreundete Wahlzürcherin Carola Giedion-Welcker präg- 
te als Kunsthistorikerin, Autorin und Kuratorin das kultu- 
relle Leben der Stadt und nahm Einfluss auf die Ankauf- 
politik des Kunsthauses. Bei der Schenkung handelt es 
sich um ein bedeutendes Werk des deutschen Künstlers 
Kurt Schwitters, «Merzbild K 6 Das Huthbild», von 1919 
(Abb. S. 19). Den Begriff «Merz» benut zte Schwitters na- 
mentlich zur Bezeichnung seiner Collagetechnik, die auf 
der Verwendung von Zeitungsausschnitten, Werbung und 
anderen Materialien beruhte. Das aussergewöhnliche 
Werk ist im Zwischengeschoss des Müllerbaus zu bewu n- 
dern, wo es einen vor Tageslicht geschützten Ort gefun- 
den hat. Auf diese Weise konnte der mit der Schenkung 
verbundenen, konservatorisch anspruchsvollen Auflage 
entsprochen werden, das lichtempfindliche Werk ständig 
in der Schausammlung zu zeigen. Erwähnt seien zudem 
drei Werkgeschenke des betagten, aber noch immer rüs- 
tigen Zürcher Malers Ernst Faesi, die unseren bereits zu- 
vor vorhandenen kleinen Bestand an Werken des Künst- 
lers ergänzen. Nicht unerwähnt blei ben darf des Weiteren 
eine wichtige Schenkung an die im Kunsthaus beheima- 
tete Alberto Giacometti-Stiftung: Stiftungsrätin Annette 
Bühler schenkte «Le buffet à Stampa», eine schöne, 
grossformatige Zeichnung Alberto Giacomettis aus dem 
Jahr 1950 (Abb. S. 28). Wir danken allen Schenkern von 
Herzen, sie erlauben es uns, unsere Sammlung auf eine 
Weise zu erweitern, die mit den Mitteln unseres Ankaufs- 
fonds nicht denk bar wäre. Einen Überbli ck über sämtliche 
Neuzugänge findet sich auf den Seiten 44 bis 51. Eine 
Auswahl der wichtigsten Werke wird im Bildteil vorge- 
stellt. 
Was das Ausleihwesen betrifft, hiess die Losung im Be- 
richtsjahr , die Zahl der au fwen digen Leihprozesse auf das 
unbedingt Notwendige zu reduzieren. Als möglich erwies 
sich eine Reduktion auf 52 Gemälde, vier Skulpturen und 
zwei Installationen. Dabei ist allerdings zu berücksichti- 
gen, dass im Mai über 70 wichtige Sammlungswerke aus 
Japan zurückkamen, was das Team vor gr osse Herausfor- 
derungen stellte.   Philippe B üttner
	        
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