erst für die in New York ersc hienene K unstz eitschr ift «291», be-
nannt nach der Hausnummer von Stieglitz’ Gal erie in der 291 Fifth
Avenue , später dann «391» oder «Cannibale». «In sein en noma-
dis chen Jahren während des Kr ieges und in der instabilen Nach-
kriegszeit d iente die Z eitschr ift Picabia gewisser massen als mo-
biles Labor, als eine Konstante in unsicheren
Zeiten.»3
Picabias
Mecanomorphonen, in denen das Individuum komplett durch eine
Maschine er setzt und dennoch p ersonal isiert wird, zähle n zu den
bemerkenswertesten Vorläufern von Dada.
Neben Picabia fanden 2016 auch Druckwerke von Marcel
Janco und Hans Arp sowie sieb zehn weitere Rar itäten Einga ng in
die Sammlung. Die Familie Janco stiftete eine Siebdruckrepro-
duktion von 1970 des heute verschollenen Ölgemäldes «Cabaret
Voltaire» (1916). Es handelt sich dabei um die einzige Da r stellung
des Geschehens im Cabaret zu Dada-Zeiten, man erkennt darauf
Hans Arp, Hugo Ball, Friedr ich Glauser , Emmy Hennings, Richard
Huelsenbeck, Marcel Janco und Tristan Tzara. Beim Ankauf von
Hans Arp wiederum hand elt es sich um einen Original holzschnitt,
der zunächst Verwendung bei «Dada» (Nr. 3, Zürich 1918) fand,
und – um 90 Grad ged reht – 1920 auf dem Umschlag der Köln er
Dada-Zeitschrift «Die Schammade» abgedruckt wurde. Von den
Massen her ist dieser Holzschnitt die grösste grafische A rbeit von
Arp zu Dada-Zeiten. «die köder der a ngler waren s egler voll fol-
terkammern»4,
monierte Arp, und so machen die Dadaisten mit
ihrer o riginellen Art der K ritik bis heute radikal Neues mö glich.
Cathérine Hug
1 Juri Steiner, «La poé sie est comme lui, Voilà Haviland», in: Bernhard von Waldkirch
(Hg.), Meisterzeichnungen. 100 Jahre Grafis che Sammlung im Kunsthaus Züric h, Ausst.-
Kat. Kunsthaus Züric h, Züri ch 2015, S. 164.
2 Roman Jakobson, «Dada», in: Vestnik teatra, Nr. 82, Mo skau 1921; englische Übersetzung
in: Krystyna Pomorska und Stephe n Rudy (Hg.), Roman Jakobson. Language in Literat ur e,
Cambridge, Mass. et al. 1987, S. 40.
3 Adrian Sudhalter, «Krieg, Exil und die Maschine», in: Cathérine Hug und Anne Umla nd (Hg.),
Francis Picabia. Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechs eln kann,
Ausst.-Kat . Kuns tha us Züric h / The Mus eum of Modern Art New York, Brüss el 2016, S. 67.
4 Hans Arp, Die Wolkenpumpe, H annover 1920, u npaginiert . Sammlun g Dadaismus online
ht tps:/ /digita l.kun stha us.c h/v ie w er/image/18617/5/L OG_0005/.
Ausstellungsansicht
der Picabia-Retro spektiv e
(si ehe S. 58). Im Vorder-
grund der Neuankauf
der Kunstzeitschrift «291»,
Nr. 5 – 6, Juli – August
1915; im Hintergrund
die Originalvorlage «La
poés ie est comme lui.
Voilà Haviland», 1915