69 AKTIVITÄTEN
RESTAURIERUNG
2016 nahm der Leihverkehr für alle Restaurierungs
abteilungen wieder viel Zeit in Anspruch, wenn auch et
was weniger als in den Jahren zuvor. Insgesamt reisten
196 Sammlungswerke an 80 auswärtige Destinationen.
Dazu kam die Kontrolle und konservatorische Betreuung
der unglaublichen Anzahl von 1300 Werken, die innerhalb
des Kunsthauses in Ausstellungen gezeigt wurden.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Einführung der neuen
Datenbank MuseumPlus. Hier ze igte sich, dass der noch
ausstehende le tzte Feinschliff sehr viel arbeits intensiver
und langwieriger ist als gedacht und die an die Daten
bank gestellten Anforderungen zur Unterstützung der
zahlreichen Arbeitsprozesse im Museum viel abteilungs
übergreifende Kommu ni kation und Feinabstimmung nötig
machen. Immerhin sind die bisher umgesetzten Funk ti
onen sehr vielversprechend und geben Anlass zur Hoff
nung, dass im nä chsten J ahresberich t von einer erfolgrei
chen Implementierung berichtet werden kann.
GEMÄLDE, SKULPTUREN UND MEDIENKUNST
Dank der grosszügigen Unterstützung der Helvetia Ver
sicherungen konnte das futuristische Gemälde «Velocità
dʼautomobile + luce + rumore» aus den frühen 1930er
Jahren von Giacomo Balla restauriert werden. Akute
Haftungsprobleme der sehr heiklen und empfindlichen
Oberfläche wurden berührungsfrei mit einem Ultraschall
Vernebler behoben.
Anlässlich der Ausstellung «Francis Picabia» waren wir
an verschiedenen kunsttechnologischen Forschungen zu
seinem Werk beteiligt, die in Zusammenarbeit mit dem
Museum of Modern Art (MoMA), New York, durchgeführt
wurden. Die im Rahmen einer von uns im Kunsthaus be
treuten Masterarbeit gewonnenen kunsttechnologischen
Erkenntnisse zu den W erken «Le lierre unique eunuque»
(um 1920) und «Curedents» (1923 / 1925), werden noch
als Beitrag in einem OnlineSupplement zum MoMA
Ausstellungskatalog publiziert.
Die grosse Ausstellung «Alberto Giacometti – Material
und Visio n» war der Hauptgrund dafür, dass das Berichts
jahr für einige von uns einmal mehr stark von den Gip
sen Alberto Giacomettis geprägt wurde. Neben letzten
konservatorischen und restauratorischen Arbeiten wur
den fünf mehrte ilige Werke aufwendig für eine aufrechte
Präsentation vorbereitet. Ausserdem konnten wir das
Fors c hungs und Restaurierungsprojekt, die Ergebnisse
und die Restaurierungsmassnahmen sowohl im Kata
log zur Ausstellung als auch in einem eigenen Bereich
in der Ausstellung ausführlich vorstellen. Das war u. a.
damit verbunden, dass die im Projekt gesam mel ten I nfor
mationen noch einmal sorgfältig überprüft, ausgewertet
und in Paris mit den in der Fondation Alberto et Anne tte
Giacometti vorhandenen Unterlagen abgeglichen werden
mussten.
Im Bereich der Medienkunst begann das Jahr mit einem
echten Bonbon: Pipilotti Rists «Dein Speichel ist mein
Taucheranzug im Ozean des Schmerzes» bege iste rte mit
knapp 40 Kunstwerken während zweieinhalb Monaten
fast einhunderttausend Besucher und hielt die Restau
rierungsabteilung auch in dieser Zeit auf Trab. Während
sich der Ablauf des Videodigitalisierungsprojekts im
zweiten Jahr erfreulicherweise automatisiert hatte, stell
te uns ein Neuankauf aus dem Jahr 2015 vor eine neue
Herausforderung: Die 8KanalVideoinstallation «Deep
Sea Monitors» (2009) von Simon Denny, gezeigt auf al
ten Röhrenfernsehern, Rückprojektoren, LED und LCD
Flachbildschirmen, stellt punkto Erhaltung ein Novum
dar. Nicht im Video steckt nämlich die Aussage des Werk s.
Es ist das originale, offensichtlich obsolete Equipment,
das den Inhalt und somit den Kern der Arbeit transpor
tiert. Wie aber alte Technik in die Zukunft retten? Im Im