Volltext: Jahresbericht 2020 (2020)

ALBERTO GIACOMETTI 
LE POÊLE DANS L ’ATELIER, 1945 – 1947 
Im Mai 1940 vergrub Alberto Giacometti angesichts der 
Kriegssituation die für seine damalige Schaffenszeit chara kteri s- 
tischen Miniskulpturen in einer Ecke seines Pariser Ateliers in 
der Rue Hippolyte-Maindron. Bis Ende 1941 blieb er mit Ausnah- 
me einer einwöchigen, wegen des drohenden deutschen Einma r- 
sches versuchten Flucht aus Paris in der Stadt. Er reiste schliess- 
lich am 31. Dezember 1941 nach Genf, um dort seine Mutter und 
seinen von ihr betreuten Neffen Silvio zu besuchen. Mangels 
Rückreisevisum kam er erst am 18. September 1945 nach Paris 
zurück, im Gepäck eine Reihe winziger Sk ulp turen. Im Atelier, in 
dem sich nic hts geändert hat te, erwartete ihn sein Bruder Diego. 
Auf der vorliegenden Zeichnung wirken sowohl das Atelier 
wie das Blatt zu grossen Teilen nahezu leer; Kunst ist keine zu 
sehen. Am linken Bildrand ist ein Bett zu erkennen, rechts ahnt 
man die zum oberen Raum teil führende Treppe. Den Mittelpunkt 
der Darstellung bilden der kleine Ofen, mit dem Giacometti das 
At elier notdürftig heizen konnte, und die ihn umgebenden Gerä t- 
schaften, darunter rechts ein kleines Beil. Beim Ofen verdichtet 
sich die Zei chnung auch von der Intensität der Bearbeitung durch 
den Stift her so sehr, dass die Oberfläche des Papiers Risse be- 
kam. Am unteren Bildrand ist eine rechtec ki ge Form angedeutet, 
in der Agnès de la Beaumelle den Karton selb st erkennt, auf den 
der Künstler das Blatt zum Zei chnen gelegt hat. Sie fügt an: «Von 
da aus zeichnend, wo er sich befindet, di stanz iert Giacometti auf 
diese Weise die Objekte, die ihm gegenüberliegen. Ein weisser 
Raum, eine ‹Leere›, in der einige kaum identifizierte Überreste 
schw immen, sch eint die Objekte noch mehr gegen die Raumecke 
zu drängen: Bett, Ofen, Becken, Zang en werden in einer proviso- 
rischen und prekären Spannung im Raum gehalten, festgezurrt 
durch ein ige sich verlierende Fluchtlinien. Ein beinahe spektrales 
Gefühl des Wirklichen geht von hier aus (…) ein Gefühl das von 
dieser beunruhigenden Fremdheit zu zeugen scheint, die Giaco-
	        
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