des 35-mm durch eine Pat ina aus, welche die Imperfektion ästhe-
tisi ert. Was das Framing , also die Wahl des gefilmten Aussc hnitts
anbelangt, interessierte sich de Boer weniger für die Hände als
Ausdruck naturgemässer Vir tuositä t als für die intensive Konzen-
tration im Gesichtsausdruck des Musikers.
Geo rge van Dam schätzt, dass Béla Bartóks «Solosonate für
Violine» eines der wi chti gsten Stücke für Violine darstellt, neben
Werken von Bach, Ysaÿe und Luciano Berio. Beim Auftrag für die-
sen Film lag die Wahl des zu interpretierenden Stücks beim Mu-
siker. Darin sp ielt van Dam den letzten Satz von Bartóks Original-
version mit Mi krointer val len, d. h. chromatischen 1/3- St ufen, im
Gegensatz zu den üblichen Halbtonschritten der Tonleiter. Was
die besondere techni sche und damit auch künstlerische Heraus-
forderung im Produktionsprozess di eses Werkes ausmachte, be-
schreib t van Dam wie folgt: «Als Musiker ist mir völlig klar, dass
die Zeit nicht linear ist. Manons Filmkonzept will – durch die
sichtbaren (aber nicht hörbaren) Schnitte – mögliche zeitliche
Überlappungen untersuchen. Auf einer sozusagen mikroskopi-
schen Ebene wurde die Audiospur in 96 kHz aufgenommen, was
96 000 po tenz ielle Bear bei tungsp unkte pro Sekunde bed eutet, im
Gegensatz zu den 24 möglichen Bearbeitungspunkten im Film (bei
24 Bildern pro Sekunde).»
In einem Zeitalter der Prädominanz von Bildern erscheint es
besonders spannend und lehrreich, über unser Verhältnis zu
Klängen nachzudenk en, wie es uns dieses e inzig artige Kunstwerk
ermöglicht.
Cathérine Hug Hug