Volltext: Jahresbericht 2020 (2020)

des 35-mm durch eine Pat ina aus, welche die Imperfektion ästhe- 
tisi ert. Was das Framing , also die Wahl des gefilmten Aussc hnitts 
anbelangt, interessierte sich de Boer weniger für die Hände als 
Ausdruck naturgemässer Vir tuositä t als für die intensive Konzen- 
tration im Gesichtsausdruck des Musikers. 
Geo rge van Dam schätzt, dass Béla Bartóks «Solosonate für 
Violine» eines der wi chti gsten Stücke für Violine darstellt, neben 
Werken von Bach, Ysaÿe und Luciano Berio. Beim Auftrag für die- 
sen Film lag die Wahl des zu interpretierenden Stücks beim Mu- 
siker. Darin sp ielt van Dam den letzten Satz von Bartóks Original- 
version mit Mi krointer val len, d. h. chromatischen 1/3- St ufen, im 
Gegensatz zu den üblichen Halbtonschritten der Tonleiter. Was 
die besondere techni sche und damit auch künstlerische Heraus- 
forderung im Produktionsprozess di eses Werkes ausmachte, be- 
schreib t van Dam wie folgt: «Als Musiker ist mir völlig klar, dass 
die Zeit nicht linear ist. Manons Filmkonzept will – durch die 
sichtbaren (aber nicht hörbaren) Schnitte – mögliche zeitliche 
Überlappungen untersuchen. Auf einer sozusagen mikroskopi- 
schen Ebene wurde die Audiospur in 96 kHz aufgenommen, was 
96 000 po tenz ielle Bear bei tungsp unkte pro Sekunde bed eutet, im 
Gegensatz zu den 24 möglichen Bearbeitungspunkten im Film (bei 
24 Bildern pro Sekunde).» 
In einem Zeitalter der Prädominanz von Bildern erscheint es 
besonders spannend und lehrreich, über unser Verhältnis zu 
Klängen nachzudenk en, wie es uns dieses e inzig artige Kunstwerk 
ermöglicht. 
Cathérine Hug Hug
	        
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