Volltext: Jahresbericht 2022 (2022)

MANON thematisiert in ihrer Kunst häufig die Verbindung zwi- 
schen Leib und Seele, und das nicht selten über den Umweg der 
Erotik. Das Nachtclub-Setting erhöht und erotisiert nun das Kran- 
kenbett. In Gedanken versunken könnte jeder Betrachtende auf 
diesem Bett liegen, und wer erst mal auf diesem Bett liegt, ist je- 
denfalls der Mittelpunkt des Geschehens. Nur ist diese «Bühne» 
immer auch mit einer tiefen Einsamkeit verbunden. Kranksein 
bedeutet für viele, auf unangenehme Weise abhängig von Pflege 
und Zuwendung zu sein. Die Kulturkritikerin Susan Sontag, die 
selbst an Krebs gelitten hatte, brachte den Aspekt, dass dies uns 
alle etwas angehe, in ihrem wegweisenden Aufsatz «Krankheit als 
Metapher» auf den Punkt. Dabei ging es ihr gerade nicht darum, 
dass Krankheit eine Metapher sei, sondern ihre Wirklichkeit be- 
nannt werden müsse 2: «Krankheit ist die Nachtseite des Lebens, 
eine eher lästige Staatsbürgerschaft. Jeder, der geboren wird, be- 
sitzt zwei Staatsbürgerschaften, eine im Reich der Gesunden und 
eine im Reich der Kranken. Und wenn wir alle es auch vorziehen, 
nur den guten Ruf zu benutzen, früher oder später ist doch jeder 
von uns gezwungen, wenigstens für eine Weile, sich als Bürger 
jenes anderen Ortes auszuweisen.» 
3 
MANONS Installation wirft zahlreiche Fragen danach auf, 
wie der Raum für uns bei Krankheit aussehen sollte, damit wir 
uns nicht einfach ausgeliefert fühlen, sondern auch Vertrauen, 
Kraft und Zuversicht schöpfen können. Wie werden Spitalräume 
heute gestaltet? Man denke an die neue Überbauung des Univer- 
sitätsspitals unter der Ägide von Christ & 
Gantenbein.4 
Ist 
MANONS «Lachgas» ein Tableau, eine fiktive Performance, eine 
Skulptur, oder alles zugleich? Eine erbauende Schlussfolgerung 
aus diesem multiperspektivischen Bild des Krankenbetts, das wir 
im Grunde genommen alle kennen, formulierte die Künstlerin
	        
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