Volltext: Jahresbericht 2022 (2022)

46 AKTIVITÄTEN 
Im Berichtsjahr konnte die Sammlung des Kunsthau- 
ses durch qualitätvolle Neuzugänge intensiv bereichert 
werden – darunter auch bedeutende, hiermit herzlich 
verdankte Schenkungen. Unter ihnen finden sich (nebst 
Schenkungen an die Grafische Sammlung) solche von der 
Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung, von Adelheid 
Horowitz-Hanhart, von der Künstlerin MANON sowie von 
den Familien Raeber und dem Künstler Danh Vō (siehe 
S. 49 – 53). Insgesamt war das Jahr für die Kunsthaus- 
Sammlung aber sehr herausfordernd. Als erster Grund 
ist hier die heftige Kritikwelle gegen die Dauerleihgabe 
der Sammlung Emil Bührle und deren Präsentation zu 
nennen, die zwar bereits mit der Eröffnung des Erweite- 
rungsbaus im Oktober 2021 losgebrochen war, aber noch 
weit ins 2022 hinein wirksam blieb. 
DIE BÜHRLE-KONTROVERSE UND IHRE FOLGEN 
Die Diskussionen um die Bührle-Stiftung haben eine star- 
ke Wirkung auf die Öffentlichkeit ausgeübt. Es wurde ein 
nochmals erweiterter Blick auf die Konstellation Bührle / 
Kunsthaus erzwungen, der wohl unausweichlich und 
wichtig war. Auch so aber lässt sich die Ambivalenz zwi- 
schen der schwierigen Gestalt des ruchlosen Waffenfabri- 
kanten auf der einen Seite und dessen für das Kunsthaus 
und die kunstinteressierte Öffentlichkeit in Zürich und 
der Schweiz wesentliches Mäzenatentum auf der ande- 
ren kaum auflösen. 
AUF DEM WEG ZU EINER NEUEN PRÄSENTATION   
DER SAMMLUNG EMIL BÜHRLE 
Auslöser der im Herbst 2021 massiv neu aufflammen- 
den Bührle-Kontroverse war die Präsentation der als 
Dauerleihgaben ins Kunsthaus gelangten Werke der 
Bührle-Stiftung im Chipperfield-Bau gewesen, welcher 
im Oktober 2021 eröffnet wurde. Diese basierte auf der 
SAMMLUNG 
räumlichen Trennung der Präsentation der Kunstwerke 
selber und der Dokumentation zu Emil Bührle als Samm- 
ler und Unternehmer. Dabei wurden im Dokumentati- 
onsraum die besonders kritisierten Bührle-Themen des 
Reichtums aufgrund von Waffenfabrikation, des Erwerbs 
von Raubkunst, der Verflechtung mit rechtskonservativen 
Zürcher Kreisen – darunter nota bene auch Exponenten 
der Zürcher Kunstgesellschaft – durchaus angesprochen. 
Die vermittlerische Geste aber blieb zu konventionell, 
auch fand die Vielfalt der Stimmen zur Rezeption Bührles 
keinen Widerhall. Vor allem aber vermochte das im Mo- 
ment der Eröffnung massgebliche Grundkonzept, die Pro- 
venienzfragen von den betroffenen Kunstwerken getrennt 
zu thematisieren, viele nicht zu überzeugen. 
In der Folge begann sich im Sammlungsteam zu Beginn 
des Berichtsjahres ein anderer Ansatz zu entwickeln. Es 
wurde eine Broschüre in Angriff genommen, die v. a. die 
Schicksale und Lebensumstände der früheren jüdischen 
Eigentümer von rund 20 diskutierten Werken der Bührle- 
Stiftung würdigen sollte, die ihre Bilder aufgrund von Ver- 
folgung durch die NS-Diktatur oder Flucht verloren hatten. 
Dieser Text wird Ende 2023 publiziert. Auch ergänzte man 
den Dokumentationsraum um einen Lesetisch, der auch 
die massgeblichen kritischen Bücher zur Bührle-Thema- 
tik zugänglich machte. Stichwort Polyphonie! Als die desi- 
gnierte neue Direktorin Ann Demeester ab dem Frühjahr 
regelmässig nach Zürich kam und mit den Teams Kontakt 
aufnahm, wurde, von ihr angeregt, der Plan gefasst, die 
Werke der Bührle-Stiftung im Herbst 2023 in Form einer 
temporären Ausstellung ganz neu zu präsentieren. Die 
Provenienzen der während der NS-Diktatur erworbenen 
Werke sollten nun ein zentrales Element der Ausstellung 
selber bilden.
	        
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