Full text: Jahresbericht 2022 (2022)

57 AKTIVITÄTEN 
TAKE CARE: KUNST UND MEDIZIN 
In der Welt von heute herrscht ein Klima, wo das The- 
ma «Gesundheit» neben dem der Umwelt, Sicherheit und 
individuellen Freiheit den wichtigsten Platz einnimmt. 
Künstlerinnen und Künstler, deren Körper ihnen als In- 
strument zur Schaffung ihrer Werke dient, befassen sich 
in einer bestimmten Phase ihres Lebens zwangsläufig mit 
der Befindlichkeit ihrer Physis. Wie kunsthistorisch ein- 
schlägige Beispiele in dieser Ausstellung gezeigt haben, 
machen die Betroffenen ihre Krankheit zum Thema ge- 
nialischer Werke, etwa Paul Klee mit seinem Hautleiden, 
der Sklerodermie, und dem von diesem inspirierten neu- 
artigen Umgang mit Bildkomposition und -textur, General 
Ideas lautstarke und werbewirksame Ästhetik im Kampf 
gegen die Diskriminierung von HIV-Infizierten und AIDS- 
Kranken, Anna Halprins Ausdruckstanz beim Heilungs- 
prozess ihrer Krebserkrankung, oder jüngst die wie in 
einem Renaissance-Gemälde manieristisch inszenierten, 
aber atrophierten Hände von Michelle Miles. Mit der Co- 
rona-Pandemie, die in der Vorbereitungszeit und während 
der Laufzeit dieser Ausstellung noch unseren Alltag be- 
herrschte, hat das Thema «Gesundheit» im Bewusstsein 
der Menschen eine Dringlichkeit neuen Ausmasses er- 
fahren: Noch nie zuvor hat sich eine ansteckende Krank- 
heit in so kurzer Zeit global verbreitet. Dadurch sind viele 
bis dahin nicht hinterfragten Werte in ein kritisches Licht 
gerückt worden, etwa mit Fragen wie: Was hat in einer 
demokratisch verfassten Gesellschaft Priorität? 
Ausgehend von den Sammlungsbeständen des Kunsthau- 
ses wurden von Cathérine Hug, Ideengeberin und Kurato- 
rin dieser Ausstellung, in sechs Kapiteln das produktive 
Wechselspiel von Krankheit und Schmerz, Medizin, Pflege 
und Heilung anhand von 300 Exponaten nachgezeichnet, 
darunter 250 von über 40 nationalen und internationa- 
len Leihgeberinnen und Leihgebern. Besonders grosse 
Konvolute stammten aus der medizinischen Sammlung 
der Universität Zürich, der Graphischen Sammlung der 
ETH Zürich und dem Musée de l’Assistance Publique in 
Paris. Eigens für diese Ausstellung produzierte Arbeiten 
stammten von Stefan Burger, RELAX (chiarenza & hauser 
& co) und Veronika Spierenburg. Burger hat sich mit dem 
Bildarchiv der F. Hoffmann-La Roche Ltd. in Basel und ge- 
wisser seiner Protagonisten für dessen Corporate Design 
beschäftigt, wie Onorio Mansutti und Niklaus Stoecklin. 
RELAX hat eine Installation rund um die Hebamme Adeline 
Favre und den Themenkomplex der Pflege produziert. 
Drei der in dieser Ausstellung gezeigten Kunstwerke der 
Künstlerinnen Barbara Hammer, MANON und Veronika 
Spierenburg fanden schliesslich Eingang in die Samm- 
lungsbestände des Kunsthauses (siehe Bildteil). 
Zur Ausstellung ist ein Katalog mit neuen Beiträgen von 
Vincent Barras, Christoph Becker, Flurin Condrau, Geor- 
ges Didi-Huberman, Cathérine Hug, Adina Kamien, Nicola 
von Lutterotti, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Muriel 
Pic, Linda Schädler und Agnès Virole erschienen. Ferner 
fand ein breitgefächertes Rahmenprogramm mit neun
	        
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