Volltext: Jahresbericht 2022 (2022)

70 AKTIVITÄTEN 
GEMÄLDE 
Neben der Brandreinigung, die mit 494 Gemälden ca. drei 
Viertel der betroffenen Werke und damit den Grossteil 
ausmachte, ist vor allem die Vorbereitung von Werken, die 
aufgrund ihres speziell heiklen Zustands normalerweise 
nicht auf Reisen geschickt werden, besonders hervorzu- 
heben. So musste beispielsweise bei den Gemälden «Die 
Quelle» von Kokoschka und «Musik auf der Karl Johan 
Strasse» sowie «Hafen von Lübeck» von Munch die Mal- 
schicht vor dem Transport sehr sorgfältig kontrolliert 
und gefestigt werden. Auch ein rückseitig angebrachter 
Schwingschutz zur Reduzierung der Leinwandschwin- 
gungen beim Transport gehört mittlerweile zum Stan- 
dard bei der Leihgabe solch empfindlicher Werke an ex- 
terne Ausstellungen. Bei anderen Werken wurde für die 
Ausleihe die bestehende Einrahmung so modifiziert und 
optimiert, dass durch die Kombination aus Verglasung, 
speziellen klimastabilisierenden Materialien und luft- 
dicht abgeschlossener Rückseite ein vor Klimaschwan- 
kungen schützender «Klimarahmen» entstand. Dies war 
immer dann notwendig, wenn entweder ein Werk beson- 
ders klimaempfindlich war oder die Leihdestination nicht 
garantieren konnte, die üblichen klimatischen Vorgaben 
einzuhalten. Als Beispiel der Unterstützung von und Be- 
teiligung an externen Projekten seien hier das «Van Gogh 
Worldwide» und das «Thread Count – Project» sowie «Im- 
pressionist Topographies» erwähnt. 
SKULPTUREN / PLASTIKEN 
Im Bereich der Skulpturenrestaurierung begann das ver- 
gangene Jahr mit der umfangreichen Restaurierung der 
Gipsskulptur «Déesse» von Ödön Koch. Neben den inter- 
nen Sammlungsbewegungen und dem Abbau der Skulp- 
tur «The 2000 Sculpture» von Walter De Maria stand die 
durch eine externe Restauratorin unterstützte monatliche 
Galeriepflege sowie die Reinigung und Konservierung al- 
ler Aussenskulpturen im Frühjahr an. Die zwölf Skulptu- 
ren in der Villa Tobler wurden gereinigt und dokumentiert. 
Die Aussenbronze «Miracolo» von Marino Marini wurde 
zum wiederholten Male durch ein Auto beschädigt. Sie 
musste vom Sockel demontiert und restauriert werden; 
in diesem Zuge wurde sie auch gereinigt und neuerlich 
mit Wachs konserviert. Zur Vermeidung einer erneuten 
Gefährdung durch Fahrzeuge wurde ein grösserer Sockel 
konzipiert und angefertigt. Auch für die Skulpturenab- 
teilung hiess die Devise ab August: Russentfernung. Der 
durch den Brand verursachte Rauch hatte sich vor allem 
auf den horizontalen Flächen abgelegt, was bedeutete, 
dass besonders Skulpturen, die ohne Hauben präsentiert 
werden, stark betroffen waren. 98 der 173 Skulpturen in 
den vom Rauch betroffenen Räumen gehörten dazu. Ihre 
Reinigung benötigte besonders viel Zeit. Im Zuge dessen 
wurde auch die «Grande Femme II» von Alberto Giaco- 
metti umfänglich restauriert. 
MEDIENKUNST UND INSTALLATIONEN 
In Zusammenarbeit mit der Grafischen Sammlung wur- 
den die in den letzten Jahren definierten Richtlinien hin- 
sichtlich der Inventarisierung von installativen und medi- 
alen Kunstwerken schriftlich in Form eines Handbuchs 
festgehalten. Die Weiterentwicklung der hauseigenen 
Datenbank mit Hauptfokus auf der innovativen Erfassung 
von werkzugehörigen Geräten bei Medienkunstwerken 
fand durch einen Vortrag an der Tagung «Contemporary 
Art Conservation Revisited» in Bern grosses internatio- 
nales Interesse und konnte im Rahmen einer weiteren 
Tagung in Helsinki präsentiert werden. Im Sommer wur- 
de dank finanzieller Unterstützung von Memoriav, Verein 
zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts der Schweiz, 
ein einjähriges Sonderprojekt gestartet. 50 Werke der 
Medienkunstsammlung werden durch die Grafische 
Sammlung kunsthistorisch und inhaltlich aufgearbeitet 
und durch die Medienrestaurierung konservatorisch ge- 
sichert; dazu zählt die Digitalisierung analoger Bänder, 
die Datenmigration bei digitalen Trägern (z. B. digitaler 
Bandingest und Disk Imaging) oder der Vergleich von ver- 
schieden vorliegenden Exemplaren mit Statusabklärun- 
gen. Alle digitalen Daten werden auf dem hausinternen 
Archivserver gespeichert. 
Nach der ersten Präsentationszeit des Werkes «Tastende 
Lichter» von Pipilotti Rist konnte ein eher durchwachse- 
nes Fazit zum Wartungsaufwand während des Ausstel-
	        
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