70 AKTIVITÄTEN
GEMÄLDE
Neben der Brandreinigung, die mit 494 Gemälden ca. drei
Viertel der betroffenen Werke und damit den Grossteil
ausmachte, ist vor allem die Vorbereitung von Werken, die
aufgrund ihres speziell heiklen Zustands normalerweise
nicht auf Reisen geschickt werden, besonders hervorzu-
heben. So musste beispielsweise bei den Gemälden «Die
Quelle» von Kokoschka und «Musik auf der Karl Johan
Strasse» sowie «Hafen von Lübeck» von Munch die Mal-
schicht vor dem Transport sehr sorgfältig kontrolliert
und gefestigt werden. Auch ein rückseitig angebrachter
Schwingschutz zur Reduzierung der Leinwandschwin-
gungen beim Transport gehört mittlerweile zum Stan-
dard bei der Leihgabe solch empfindlicher Werke an ex-
terne Ausstellungen. Bei anderen Werken wurde für die
Ausleihe die bestehende Einrahmung so modifiziert und
optimiert, dass durch die Kombination aus Verglasung,
speziellen klimastabilisierenden Materialien und luft-
dicht abgeschlossener Rückseite ein vor Klimaschwan-
kungen schützender «Klimarahmen» entstand. Dies war
immer dann notwendig, wenn entweder ein Werk beson-
ders klimaempfindlich war oder die Leihdestination nicht
garantieren konnte, die üblichen klimatischen Vorgaben
einzuhalten. Als Beispiel der Unterstützung von und Be-
teiligung an externen Projekten seien hier das «Van Gogh
Worldwide» und das «Thread Count – Project» sowie «Im-
pressionist Topographies» erwähnt.
SKULPTUREN / PLASTIKEN
Im Bereich der Skulpturenrestaurierung begann das ver-
gangene Jahr mit der umfangreichen Restaurierung der
Gipsskulptur «Déesse» von Ödön Koch. Neben den inter-
nen Sammlungsbewegungen und dem Abbau der Skulp-
tur «The 2000 Sculpture» von Walter De Maria stand die
durch eine externe Restauratorin unterstützte monatliche
Galeriepflege sowie die Reinigung und Konservierung al-
ler Aussenskulpturen im Frühjahr an. Die zwölf Skulptu-
ren in der Villa Tobler wurden gereinigt und dokumentiert.
Die Aussenbronze «Miracolo» von Marino Marini wurde
zum wiederholten Male durch ein Auto beschädigt. Sie
musste vom Sockel demontiert und restauriert werden;
in diesem Zuge wurde sie auch gereinigt und neuerlich
mit Wachs konserviert. Zur Vermeidung einer erneuten
Gefährdung durch Fahrzeuge wurde ein grösserer Sockel
konzipiert und angefertigt. Auch für die Skulpturenab-
teilung hiess die Devise ab August: Russentfernung. Der
durch den Brand verursachte Rauch hatte sich vor allem
auf den horizontalen Flächen abgelegt, was bedeutete,
dass besonders Skulpturen, die ohne Hauben präsentiert
werden, stark betroffen waren. 98 der 173 Skulpturen in
den vom Rauch betroffenen Räumen gehörten dazu. Ihre
Reinigung benötigte besonders viel Zeit. Im Zuge dessen
wurde auch die «Grande Femme II» von Alberto Giaco-
metti umfänglich restauriert.
MEDIENKUNST UND INSTALLATIONEN
In Zusammenarbeit mit der Grafischen Sammlung wur-
den die in den letzten Jahren definierten Richtlinien hin-
sichtlich der Inventarisierung von installativen und medi-
alen Kunstwerken schriftlich in Form eines Handbuchs
festgehalten. Die Weiterentwicklung der hauseigenen
Datenbank mit Hauptfokus auf der innovativen Erfassung
von werkzugehörigen Geräten bei Medienkunstwerken
fand durch einen Vortrag an der Tagung «Contemporary
Art Conservation Revisited» in Bern grosses internatio-
nales Interesse und konnte im Rahmen einer weiteren
Tagung in Helsinki präsentiert werden. Im Sommer wur-
de dank finanzieller Unterstützung von Memoriav, Verein
zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts der Schweiz,
ein einjähriges Sonderprojekt gestartet. 50 Werke der
Medienkunstsammlung werden durch die Grafische
Sammlung kunsthistorisch und inhaltlich aufgearbeitet
und durch die Medienrestaurierung konservatorisch ge-
sichert; dazu zählt die Digitalisierung analoger Bänder,
die Datenmigration bei digitalen Trägern (z. B. digitaler
Bandingest und Disk Imaging) oder der Vergleich von ver-
schieden vorliegenden Exemplaren mit Statusabklärun-
gen. Alle digitalen Daten werden auf dem hausinternen
Archivserver gespeichert.
Nach der ersten Präsentationszeit des Werkes «Tastende
Lichter» von Pipilotti Rist konnte ein eher durchwachse-
nes Fazit zum Wartungsaufwand während des Ausstel-