Volltext: Jahresbericht 2023 (2023)

den Landschaft zu sehen ist, isolierte der Künstler nach 1900 die 
Bäume mehr und mehr und überhöhte sie durch einen Wolken- 
kranz. Dadurch verlieh er ihnen einen symbolhaften Charakter. 
Neben Ölfarben dienten Hodler auch Ölfarbenstifte für die 
Fertigstellung des Gemäldes. 1902 kamen die sogenannten 
«Raffaëlli-Ölfarbenstifte» auf den Markt. Der Farbteig ist bei 
diesen nicht in Tubenform, sondern in Stiftform konserviert. Die- 
ses Farbmaterial erlaubte Hodler Farbakzente zu setzen, aber 
auch die nachträgliche Überarbeitung seiner Gemälde, denn des- 
sen Verwendung ist in der Regel auf den zuletzt aufgetragenen 
Lagen des Farbauftrags 
auszumachen.3 
Auf dem Baumbild vom 
Bödeli aus dürfte Hodler die Ölfarbenstifte – mit Ausnahme des 
Himmels – auf der gesamten Bildfläche verteilt als Akzente ein- 
gesetzt haben. 
Um 1906 gehörte Hodler zu den angesehensten und pro- 
gressivsten Malern in Europa. 1904 feierte er seinen internatio- 
nalen Durchbruch an der Sezessionsausstellung in Wien und im 
Jahr darauf wurde ihm ein ganzer Raum an der Berliner Sezes- 
sion gewidmet. Die berufliche Genugtuung scheint sich in dem 
heiteren Bild mit dem Baum in voller Pracht wiederzufinden. 
Sandra Gianfreda 
1   Oskar Bätschmann und Paul Müller, «Das Landschaftswerk von Ferdinand Hodler», in: 
dies., Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Bd. 1: Die Landschaften, mit 
Beiträgen von Regula Bolleter, Monika Brunner, Matthias Fischer, Matthias Oberli, Zürich 
2008, S. 26–27; Charles A. Loosli, Ferdinand Hodler. Leben, Werk und Nachlass, 4 Bde., 
Bern 1921–1924, Bd. 2 (1922), S. 64–65. 
2   Bätschmann/Müller 2008 (wie Anm. 1), S. 3; Loosli 1921–1924 (wie Anm. 1), Bd. 4 (1924), 
S. 299. 
3   Karoline Beltinger, «Bemerkungen zu Ferdinand Hodlers Malfarbengebrauch», in: dies. 
(Hg.), Kunsttechnologische Forschungen zur Malerei von Ferdinand Hodler, Zürich 2007, 
S. 151–162, hier S. 156.
	        
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