Volltext: Jahresbericht 2023 (2023)

sind im öffentlichen Raum schliesslich schon seit über zwei Jahr- 
zehnten von Leuchtstoffröhren, LED und ihren zahlreichen Ge- 
schwistern verdrängt worden. Neonlicht ist inzwischen tatsächlich 
fast ausschliesslich in Museen zu finden, und ist nicht zuletzt auch 
wegen dieser Preziosität ein beliebtes Material unter Kunstschaf- 
fenden. Aber wie wertvoll ist ein künstlerisches Neonwerk tat- 
sächlich, wenn es so gut wie nie brennt und dann auch noch zum 
«falschen» Zeitpunkt? Mit dieser Frage geben wir uns eigentlich 
schon einen Teil der Antwort selber: Der Wert liegt im Hinterfra- 
gen von Wertesystemen und ihren Mechanismen. Aber genau dort, 
wo der Wert Geld reichlich vorhanden ist, spricht man nicht (offen 
und gerne) darüber, es sei denn bei Auktionen und NFT als Geld- 
anlage. Folglich bricht dieses Kunstwerk mit einem Tabu. Diese, 
die meiste Zeit diskrete, nur selten aufblinkende Arbeit lädt uns 
dazu ein, in Ruhe über die Mechanismen und Akteure des Kunst- 
markts nachzudenken. «We sometimes forget the obvious. Being 
original is almost impossible. What matters is what’s inside», 
empfiehlt uns der Künstler zur Interpretation seiner Kunst. 
Drei weitere, niederschwelligere Werke dieses Künstlers 
sind als Schenkungen in die Sammlung eingegangen: die «Holiday 
Paintings» «Cyprus», «Lanzarote» und «Malta» (2023). Alle wur- 
den zuvor in der «Zeit»-Ausstellung gezeigt (vgl. S. 58 / 59). «Ho- 
liday» (Urlaub) ist zu einer gesellschaftlichen Konvention gewor- 
den, die sich im Zuge arbeitsrechtlicher Regulierungen nach dem 
Ersten Weltkrieg etabliert und die nach dem Zweiten Weltkrieg 
in Zeiten des Wirtschaftswunders das Phänomen des Massen- 
tourismus zu begründen half. Die Folgen dieser Entwicklung in 
den Wohlfahrtsstaaten werden erst jetzt, ausgelöst vom Airline 
Deregulation Act (1978) und der damit einhergehenden Verbrei- 
tung von Billigairlines, in ihrer ganzen Problematik erkennbar. 
Zwar lassen sich Billigflüge und All-Inclusive-Angebote als Teil
	        
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