58 AKTIVITÄTEN
ZEIT. VON DÜRER BIS BONVICINI
Die Zeit zählt zu den grossen Mysterien der Welt, und ihre
Definitionen sind zahlreich. Sie finden sich nicht nur in der
Religion, in Biologie und Ökonomie oder der Physik, sondern
auch in der Kunst. Der Corona-«Stillstand», als Raum und
Zeit schlagartig in ihren Extremen erlebt wurden, gab den
Fragen rund um Zeit neue Impulse. Es gibt über hundert
Begriffe, die das Wort «Zeit» enthalten; manche wie «Zei-
tenwende» oder «Freizeit» erleben heute ein überraschen-
des Comeback, andere wie «Zeitung» oder «Zeittakt» dro-
hen zu verschwinden. Hingegen stehen neu auf der Agenda
«Eigenzeit» oder auch «Zeitkonfetti». «Zeitdruck» wiederum
kann sich mühelos über Jahrhunderte behaupten.
Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Musée
international d’horlogerie (MIH) in La Chaux-de-Fonds
entstanden ist, zeigte auf, dass die künstlerische Be-
schäftigung mit dem Begriff «Zeit» unendlich vielfältig
ist. Im Verlauf von drei Jahren Recherchearbeit sind rund
230 Exponate (darunter 60 Uhren) aus sechs Jahrhunder-
ten von 100 Kunstschaffenden und Uhrmacherinnen und
Uhrmachern ausgewählt und über sechs thematische Ka-
pitel verteilt worden, welche exemplarisch zur spannen-
den Erzählung der Zeitwahrnehmung und ihrer Messung
beigetragen haben: 1. Deep Time, 2. Biologische Zeit,
3. Messbare, ökonomische Zeit, 4. Politische Zeit, 5. The
Information Superhighway und 6. Eigenzeit. Es war welt-
weit eine der ersten Ausstellungen, die sowohl epochen-
übergreifend als auch transdisziplinär Kunst und Zeit-
messgeräte in einen ebenbürtigen Dialog stellte.
Zur Ausstellung erschien ein interdisziplinärer, 320 Sei-
ten starker Katalog in zwei Sprachen mit neuen Beiträ-
gen von Mónica Bello, Anna Magdalena Elsner, Estelle
Fallet, Cathérine Hug, Régis Huguenin-Dumittan, Monika
Leonhardt, Nathalie Marielloni, Helga Nowotny, Rüdiger
Safranski, Josef Teichmann, Sebastian Vivas und Stefan
Zweifel im Snoeck Verlag (Köln).
Die Ausstellung wurde von einem umfangreichen Rah-
menprogramm begleitet, das neben öffentlichen Füh-
rungen und einem Kunstvermittlungsprogramm Ein-
blicke unter anderem in folgende Themenbereiche bot:
Future-Food-Performance von Maya Minder inspiriert