Volltext: Jahresbericht 2023 (2023)

65 AKTIVITÄTEN 
DIGILAB 
Das Kunsthaus-Digilab ist als Ergänzung zum physischen 
Museumsraum gedacht und soll den digitalen Raum aus- 
leuchten und neu bespielen. Es bietet Raum zum Experi- 
mentieren, Ausprobieren und kritischen Nachdenken über 
das Digitale. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künst- 
ler werden eingeladen, in regelmässigen Abständen neue 
Kunstwerke zu realisieren, die einerseits online präsent, 
aber auch physisch im Museumsraum erfahrbar sind. Im 
Berichtsjahr wurde James Bridle (*1980) dafür einge- 
laden. Der britische Künstler, Schriftsteller und Denker 
beschäftigt sich in seiner Arbeit seit Längerem mit dem 
Einfluss neuer Technologien auf Politik, Kultur und Ge- 
sellschaft. In dem für das Kunsthaus realisierten Werk 
«The Distractor» (2023) stellt Bridle einen Schlüsselmo- 
ment in der Mediengeschichte nach. In den 1960er-Jah- 
ren erkannten Forscher in den Vereinigten Staaten, dass 
mehr Kinder Zugang zum Fernsehen als zu Kindergär- 
ten hatten, und sie machten sich daran, dieses neue In- 
strument zu nutzen, um eine Lücke in der frühkindlichen 
Bildung zu schliessen. Im Jahr 1968 gründeten sie den 
Children's Television Workshop (CTW), um pädagogische 
Fernsehprogramme für Kleinkinder zu erforschen und zu 
entwickeln. Die erste und bekannteste Kreation des CTW 
war die Sesamstrasse, eine der am längsten laufenden 
Fernsehsendungen der Welt. 
Die von CTW in den 1960er- und 1970er-Jahren durch- 
geführten Untersuchungen legten den Grundstein für 
bildschirmgestützte Bildungsprogramme auf der ganzen 
Welt. Gleichzeitig wurden damit technologische Lösungen 
über soziale gestellt, und Bildung wurde auf Bildschirme 
und Unternehmen ausgelagert. Heute werden Techniken, 
die von Pädagogen in den 1960er-Jahren entwickelt wur- 
den, in automatisierten Systemen wie mobilen Apps und 
sozialen Medien eingesetzt und ermöglichen die globale 
«Aufmerksamkeitsökonomie», in der die menschliche Auf- 
merksamkeit als eine Ressource behandelt wird, die es 
einzufangen und auszubeuten gilt. 
PROVENIENZFORSCHUNG: NEUE STRATEGIE UND TEAM 
Im März konnte die neue Strategie für die Provenienz- 
forschung und für deren Ergebnisse vom Vorstand der 
Zürcher Kunstgesellschaft und der Geschäftsleitung 
des Kunsthaus Zürich verabschiedet werden. Die Stra- 
tegie umfasst u. a. die konsequente Überprüfung von 
Neuzugängen und Leihgaben, einen transparenten und 
lösungsorientierten Umgang mit Verkäufen ausserhalb 
des NS-Machtbereichs sowie ein proaktives Vorgehen bei 
Verdacht auf NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kultur- 
gut und nach Klärung spezifischer Sachverhalte ein dezi- 
diertes Handeln. Umgesetzt wird die Strategie durch den 
Aufbau eines eigenen Fachbereichs Provenienzforschung. 
Unter anderem dank der finanziellen Unterstützung durch 
den Kulturfonds des Kantons Zürich und der Projektför- 
derung des Bundesamts für Kultur (BAK) konnte die Pro- 
venienzforschung ab Mitte Jahr zu einem 5-köpfigen Team 
erweitert werden (Leitung, zwei wissenschaftliche Mitarbei- 
terinnen und zwei wissenschaftliche Assistenzen). 
Das seit 2021 laufende Forschungsprojekt «Die Proveni- 
enzen der Schenkungen Leopold Ruzicka (1949), Nelly Bär 
(1968) & Walter Haefner (1973 – 1995)» mit Förderung vom 
BAK konnte im Sommer des Berichtsjahrs erfolgreich ab- 
geschlossen werden. Im Sinne der Transparenz wurden 
die Forschungsergebnisse bei den untersuchten, perma- 
nent ausgestellten Werken in den Sammlungsräumen 
anhand von Provenienzschildern mit kurzen kontextuali- 
sierenden Werktexten sichtbar gemacht. Im Juni des Be- 
richtjahrs konnte wiederum mit Förderung vom BAK ein 
neues, auf ein Jahr angelegtes Forschungsprojekt begon- 
nen werden, welches die Zugänge in die Sammlung Ge- 
mälde und Skulpturen zwischen 1946 und 1960 umfasst. 
Dafür, wie auch für weitere zentrale Objekte, wurden im 
Berichtsjahr in Zusammenarbeit mit der Restaurierung 
und dem Art Handling zahlreiche Reproduktionen von 
Werkrückseiten erstellt, die essenziell als Grundlage für 
die Objektanalyse sind. 
Im Berichtsjahr wurden zudem an der fortlaufenden Ak- 
tualisierung und Publikation der Provenienzen der Samm- 
lungsbestände auf der Sammlung Online gearbeitet sowie 
zeitgleich mit der Eröffnung der neuen Bührle-Ausstellung
	        
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