74 AKTIVITÄTEN
unterstützte Projekt ist eine enge Zusammenarbeit zwi-
schen der Restaurierungsabteilung und der Grafischen
Sammlung, und es beinhaltet die restauratorische Siche-
rung der vom Verschwinden bedrohten digitalen Medien-
kunstwerke sowie parallel dazu deren kunstwissenschaft-
liche Aufarbeitung. Per Ende Jahr konnte ein Grossteil der
Arbeiten abgeschlossen werden, und damit wurde ein wich-
tiger Meilenstein zum Erhalt der Medienkunstsammlung
erreicht. Es sei an dieser Stelle ganz herzlich der Medien-
kunstrestauratorin Eléonore Bernard sowie Luca Rey, dem
wissenschaftlichen Mitarbeiter in der Grafischen Samm-
lung, gedankt. Die beiden haben das Projekt zusammen
betreut und bereiten nun gemeinsam eine Kabinettaus-
stellung für den Frühsommer 2024 vor, in der sie die Er-
gebnisse der letzten Monate präsentieren werden.
ÄLTERE KUNST AUF PAPIER
Seit 2023 ist die Grafische Sammlung Mitglied im Gra-
fikportal. Diese Plattform bündelt die online abrufbaren
Bestände einzelner grafischer Sammlungen, um den
User auf einen Blick darüber zu informieren, welche
Kunstschaffende in welcher Institution mit Werken auf
Papier vertreten sind oder welche Institutionen Abzüge
einer spezifischen Druckgrafik besitzen. An Zürcher In-
stitutionen sind bereits die grafischen Sammlungen von
ETH, Landesmuseum und Zentralbibliothek im Grafikpor-
tal vertreten, so dass der Beitritt auch des Kunsthauses
längst überfällig war. In enger Abstimmung zwischen
Ruth Kistler, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin für
Datenbank & Sammlung online, und Jonas Beyer muss-
ten zahlreiche Metadaten unserer Sammlungsdatenbank
angepasst werden, um den LIDO-Export in das entspre-
chende Portal gewährleisten zu können.
Bereits erprobte Formate der Weiterbildung, nament-
lich Workshops und Seminare, wurden auch dieses Jahr
wieder intensiv in der Grafischen Sammlung bespielt.
So fand an jeweils drei Nachmittagen ein Seminar des
Kunstgeschichtlichen Instituts der Universität Zürich un-
ter der Leitung von Nina Schepkowski im Studiensaal der
Grafischen Sammlung statt. Die Lehrveranstaltung zum
Thema «Das Porträt in der Klassischen Moderne» um-
fasste u. a. Werke Ottilie Roedersteins, Oskar Kokoschkas,
Ernst Ludwig Kirchners und Käthe Kollwitz’. Im Dezember
waren zudem zahlreiche Teilnehmer des von der Univer-
sität Zürich angebotenen «Executive Master in Art Market
Studies» bei uns zu Gast, um Einblicke in druckgrafische
Techniken vom Holzschnitt bis zur Lithografie am Beispiel
ausgesuchter Originale erhalten zu können.
Mit Blick auf neue Erwerbungen konnte inhaltlich direkt
an unsere Kollwitz-Ausstellung «Stellung beziehen» an-
geknüpft und einige wichtige Druckgrafiken der Künstle-
rin im Rahmen einer Auktion bei Kornfeld ersteigert wer-
den. Der Pariser «Salon du Dessin» bot unserem Haus
zudem Gelegenheit, reizvolle Zeichnungen von Friedrich
Salathé und Umberto Boccioni für unsere Sammlung
anzukaufen. Schliesslich ist auch die Ersteigerung einer
seltenen Druckgrafik von Mary Cassatt zu nennen, die nun
ebenfalls unter den Künstlerinnen im Bestand der Grafi-
schen Sammlung figuriert.
Highlights unter den Neuerwerbungen vorangegangener
Jahre stellte Jonas Beyer ab März im Grafikraum der
Öffentlichkeit vor (31.3 – 25.6.2023): So konnten etwa
Augusto Giacomettis Entwürfe für seinen Jenatsch-
Kalender (s. Jahresbericht von 2021) in ihrer Gesamtheit
vor Augen geführt oder bislang nicht gezeigte Erwerbun-
gen wie unser kostbares Faust-Skizzenblatt von Eugène
Delacroix (s. Jahresbericht von 2018) dem Publikum prä-
sentiert werden.
Daran anschliessend war im Grafikraum die von Simo-
ne Gehr kuratierte Präsentation «Die ersten Künstle-
rinnen – Zeichnungen aus der Grafischen Sammlung»
(15.8. – 5.11.2023) zu sehen. Die Werkschau ging der Fra-
ge nach, welche Arbeiten von Künstlerinnen die ersten
waren, die Teil der Sammlung des heutigen Kunsthaus
Zürich wurden. Seit 1794 wurde durch die sieben Jahre
zuvor als «Künstlergesellschaft» gegründete Vereinigung
Kunst gesammelt. Werke von Künstlerinnen wurden zu
Beginn sehr rar aufgenommen. Die erste Arbeit, die sich
bei der Recherche in den Inventarbüchern der Grafischen
Sammlung sowie im Archiv der Zürcher Kunstgesellschaft
nachweisen liess, kam zwischen 1817 und 1820 in Form
einer Zeichnung Dorothea Schulthess’ (1776 –1853) in die