Full text: Ausstellung George Grosz

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den lyrifchen Subjektivismus uon 1905 mit formal-mittelbarem Be- 
fchreiben. Wenn nicht Uermeer, fo Knaüfe uon links beftaunt uon 
rafierten Ammen. 
Grosz hingegen überraft heutiges Gelichter mit haffenden, ge 
rechten Spiegeln. Gin Hann kämpfender Aufklärung. Dem Zeit 
maler gewährt Zeit die Gxempel, was Erfindung mindern mag; 
dann mag er die Zeit überholen; Frage ob formal oder mit mora- 
lifcher Utopie, einem Wiß. 
Hogarth uerteidigte die uernünftige Tugend. Schönheit und 
Glück folgern notwendig aus edel uernünftigem Handeln. Troß 
Hiob. Han ift heute geneigt, an foziologifche Dernunft zu glauben. 
Klaffenurteile. Der noch Herrfchende ift häßlich. Irgendwie fuchen 
noch hoffnungslofe Titopiker die Bindung uon Dernunft und Glück. 
Gntwicklungsnepp, Kaufalitätsfchiebung; ethifcher Kettenhandel. 
ln keinem Fände florierte Groteske fo überzeugend wie in Eng 
land. Han wies den Gegenfaß uon fefter Übereinkunft und pein 
licher Tatfache; am feftmoralifchen Conuenu gemeffen (optifch ein 
Kitfch), gerät der Zeitgenoffe zu widerlichem Honftrum. Die Englän 
der, diefe Ceute des höchften phyfiologifchen Standards, befaßen hu- 
morigen Sinn für Groteske. Einige ihrer Hunderaffen bezeugen dies 
fubtil; fo das launige Gezücht der geiftuollenBorderterriers. Hennen 
wir Hewton, der die franzöfifche Revolution in einer Ecke uon 
Tottenham Court und Theobald Road mitmachte; ich rede vom 
Zeichner, nicht dem Hewton der Grauitation, die zweifellos am. 
beften zwifchen Ficadilly und Hydeparc zu errechnen war. 
Grosz, ein feftftellender Horalift, zeigt diffus verkrachte Gefell- 
fchaft uor dem Kommunismus; der im Weften vielleicht uon den 
Bürgern betrieben wird. 
Grosz ftellte Typen diefer Zeit in höhnifchen Kontur, aus deffen 
Formfeld der jeweils Betrachtende forgfam, doch unbekümmert 
flüchtet; man fchließt auf den Hächften, da man, Bilder betrachtend, 
feltener den Spiegel zur Hafe führt. 
Han erinnere fich des knabenhaftfehlichten Beginns diefes Künft- 
lers; die hinreißende Pubertät erfter Zeichenjahre. Dämonie des 
Jünglings kreuzte naiuen Kontur und ftreng gekämmter Strich 
fchnitt einfache Ceidenfchaft. 
Dann fchmiß ihn pfychoanalytifche Heugier in Futuriftifch-Si 
multanes. Citeratur und vielfältiges Geficht komplizierten. 
Doch eindeutige Politik gewährt programmhaft vereinfachte: 
Schau, uerdrängt dynamende Quantenromantik der Wolkenkraßer„ 
zerfegt den Wirbel freudfeher Kataftrophen. 
Die Romanen gewannen Diftanz durch formale Ferne; Grosz 
erzwang Abftand durch Haß gegen Typen der Zeit. Er zeigte die 
Differenz zwifchen politifcher Titopie und uorhandenem Gemenfche, 
hinrichtet mit fchnittigem Kontur. Ein politifcher Puritaner, der 
Derderbheit weift. Zeichnen, reuoltierende Kritik, ein moralifches
	        
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