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Dadaisten. Dadaisten. 
Im Kampfe für die Verbreitung des Dadaismus vermittelt die 
Zeitschrift Merz die Namen und Aussprüche einiger Dadaisten, 
die sich selbst zum Teil für dadafrei halten. 
1. ENGAU, Ingenieurin Laubegast, Schöpfer des Bismarckehren 
gartens, „bestehend aus Steinen, Plakaten, Reliefs, Büsten und 
anderen Ehrungen, in Form von Denksteinen geschichtlich geordnet, 
so daß wir vom einen Stein zum anderen schreitend gleichermaßen 
durch die Jahrhunderte gehen können. Die auf den Ehrengaben 
befindlichen Widmungen haben ihnen Leben und Poesie verliehen. 
Die Steine reden . . .“ Von Herrn Engau stammt ein complett 
dadaistisches Gemälde, bestehend aus einem wirklichen ca. 25 cm 
langen alten Nagel und einer Unterschrift. Ich glaube, daß es von 
Engau stammt, da es im Ehrengasthause hängt. Ich lasse hier 
ein Facsimile folgen: 
Das ist der Nagel, den 
BISMARCK 
stets auf den Kopf getroffen hat. 
2. CARL BOBE, Kulturpionier, Friedensstadt im Teutoburger 
Walde, Weltorganisator und Weltordnungsdiktator. Bobe schreibt: 
„An dem kupfernen, kriegerischen Cherusker Hermann, erbaut von 
Bändel, im Teutoburger Walde vollzieht sich geistig der große 
Friedenswandel. Im Paradies auf Erden, den 21. April 1922, dem 
107. Geburtstage des deutschen Geistesheroen Bismarck. Geistes 
arbeiter aller Länder! Jeglicher Widerstand ist gebrochen. Um 
vorgenannte Beweise zu erbringen, benutze ich die günstige Ge 
legenheit, in erster Linie holzindustrielle Berufskollegen zur Möbel 
messe einzuladen, wobei ich aber ausdrücklich betone, daß jeder 
fortschrittlich veranlagte Geistesarbeiter willkommen ist. Nebenbei 
gemütliches Zusammensein im Berggasthaus. Ich habe die hohe 
Ehre, gemeingefährlich geisteskrank erklärt zu sein. Kulturpionier 
Carl Bobe.“ 
3. Johannes BAAADER, Oberdada, Präsident des intertelluri- 
schen oberdadaistischen Völkerbundes, Telefon Steinplatz 18: 
Sätze von Johannes BAAADER. 
Die Menschen 
sind Engel und leben im Himmel. Sie selbst und 
alle Körper, die sie umgeben, sina Weltallkumulationen 
gewaltigster Ordnung. Ihre chemischen und physi 
kalischen Veränderungen sind zauberhafte Vorgänge, 
geheimnisvoller und größer als jeder Weltuntergang 
oder jede Weltschöpfung im Bereiche der Sterne. 
Jede geistige und seelische Aeußerung oder Wahr 
nehmung ist einewunderbarereSache,als das unglaub- 
I lichste Begebnis, das die Geschichten von Tausend- 
undeinenacht schildern. Alles Tun und Lassen der Menschen und 
aller Körper geschieht zur Unterhaltung der himmlischen Kurzweil 
als ein Spiel höchster Art, das so vielfach verschieden geschaut 
und erlebt wird, als Bewußtseinseinheiten seinem Geschehen gegen 
überstehen. Eine Bewußtseinseinheit ist nicht nur der Mensch, 
sondern auch alle die Ordnungen von Weltgestalt, aus denen er 
besteht, und inmitten deren er lebt als Engel. Der Tod ist ein 
Märchen für Kinder und der Glaube an Gott war eine Spielregel 
für das Menschenbewußtsein während der Zeit, da man nicht 
wußte, daß die Erde ein Stück des Himmels ist, wie alles andere. 
Das Weltbewußtsein hat keinen Gott nötig. BAAADER. 
4. ALFA BEI TISCHE, der Schriftgeist, Hannover, Ich citiere 
aus dem deutschen Blatte zur Befriedigung der Parteien vom 
Dezember 1917, genannt Hirnamtliche Richtung: „Eine fünfzeilige 
Mutung, die an Stoff 69 für Genügen durch den Geist hat, und 
zwar auf Sicht: 41 für das Wirken auf die Kraft, 25 für Gemein 
schaft auf den Stoff und 3 für das Hirnamt auf den Geist: .Nur 
die Verheit schuf den Krieg 4 für das Stolze! und der Krieg 
schafft den Frieden 2 für das Pflichten} im Ge--isten muß der Geist 3 
für das Hirnamt schaffen, da ihm die Kritik 5 für das Glücken 
oliegt, was ihn begeistert 1 für das Leben. 5 Zeilen von je 11 Silben 
— ergeben 55 für die Reue — auf den Stoff! Gilt die Ziffer 5 
für das Glücken, dann auch die Zahl 11 für den Genuß auf den Geist! 
5. DANNY GÜRTLER, der König der Boheme, der mit Kinder 
trompete auftrat und dazu sprach: „Ich trage mein Haupt so frei, 
wie der Edelhirsch sein Geweiht Wer kühner als ich die Welt 
verhöhnt, der sei statt meiner zum König gekrönt.“ Man nannte 
ihn den letzten Romantiker. Er ist aber Dadaist, vielleicht der 
erste. Das Kleine Journal, Dresden, schreibt dazu am 1. 3. 05: 
„und eine angenehme Gänsehaut überschauerte die kleinen Dämchen.“ 
Der KONZENT. Unter diesem Titel veröffentliche ich eine 
Reihe von Banalitäten großer Zeitgenossen und großer Vorfahren, 
um zu zeigen, wie lebendig dada war und ist. Außerdem hat 
der Dadaismus sich der Radiovorträge angenommen, und was dem 
Publikum innerhalb der nächsten 6 Monate durch Radio geboten 
wird, ist ausschließlich dadä. „Daß die Menschen und Völker die 
Welt, in der sie leben, und vor allem sich, immer so ernst nehmen, 
ist Schuld an all ihrem Unglück.“ Iwan Soll. „Schmiede dein Glück, 
bis es warm ist.“ Moholy. „Der Merzquadrat wächst aus das Kar 
toffel,“ Lissitzky. „Jeder Tag ist Deutschlands Schicksalsstunde.“ 
Kurt Stresemann. „Die besten Freunde sind die schlimmsten.“ 
Dexel. „Ich denke doch nicht, wenn ich denke.“ Lehmann. „Ich 
bin der erste Diener meiner Zeitschrift.“ Schwitters. „Ich abäte 
nich for die Barrisahden der Gesellschaf.“ Raoul Dix. „Das Leben 
ist ein dostonewskischer Wirrwar.“ Raoul Schrimpf. „Phlox ist 
eine Welt der Gnade. Das Leben ohne Phlox ist ein Irrtum.“ 
Karl Förster. „Nicht an der eigenen Hohlheit ging dadä zugrunde, 
denn es ist nicht zugrunde gegangen.“ Raoul Hausmann. „Der Herr 
wedelt mit dem Hund.“ Arp, Persisches Sprichwort. „Lesen Sie 
Mecano, meine Herren, und Sie werden in 10 Tagen auf eine To 
mate zum Himmel fahren können.“ v. Doesburg. „Ich sehe in dem 
Dadaismus keine Opposition, sondern die Bejahung dessen, was 
wir sind.“ Richter. „Alle Energien der Welt werden für Zwecke 
vergeudet, sobald sich der Mensch ihrer bedient. Nur dadä ver 
wendet die Energien richtig, d. h. ohne Zweck.“ Schwitters. „Nous 
etions tous dadä avant l’existence de dadä.“ ARP. „Brutto minus 
Tzara gleich Dadä.“ Karl Minder. „Jedermann der Clown des 
andern.“ H. Hoerle. „Der Mensch ist einer Notdurftkonstruktion.“ 
Raoul Kemeny. „Ein Loch bohren ist nicht schwierig, ein genaues 
Loch bohren ist eine Kunst.“ Paul Westheim. „Ein Kunstloch 
schreiben ist nicht schwierig, das Loch in der Kunst stopfen ist ein 
Kunstblatt.“ Merz. „Der Dadaismus ist die Wertbeständigkeitsprobe 
für alle Dinge.“ Baaader. „Hiermit warne ich jedes lose Maul, mir 
irgend etwas nachzureden. Auch verbitte ich mir auf das ent 
schiedenste, daß mich jedes Schaf anstarrt.“ Selma Hädrich, 
Hermdorf, Naumburgerstraße. „Nichts ist gewaltiger als der Mensch.“ 
Sophokles, Meisterwerke dadaistischer Dichtungen. „Ne jamais 
mettre le pinceau en bouche.“ Cezanne. Uit Doetinchem wordt ge- 
meld: Het bericht inzake een poging van bolsjewisten om naar 
ons land te körnen, blijkt een misverstand te zijn. Wel is dit be 
richt bij den commandant der politietroepen te s’Heerenberg ont- 
vangen en zijn onmiddellijk uitgebreide politiemaatregelen genomen, 
doch deze bleken onnoodig. Wel heeft een vrij talrijke menigte 
zieh gedurende eenigen tijd bij de grens opgehouden, maar dit is 
waarschijnlijk een geselschap, wandelende geestelijken geweest.“ 
Wo aber steht der göttliche Mozart? Hier scheint die Natur ein 
Rätsel aufgeben zu wollen, ln arte voluptas. 
„Mama, ist morgen eigentlich übermorgen?“ Ernst Lehmann. 
„Hannover hat das geistigste Publikum Europas.“ Mynona. „Poesie 
pour Ceux qui ne comprennent pas.“ Picabia. „Das Volk will glauben, 
and the man of Geist uill see, will sehen, will reisen om to see.“ 
Rosenberg. 
CONFERENCE SUR DADA. 
Vortrag Tzaras auf dem dadäkongress in Weimar 1922. 
Mesdames messieurs. 
Vous savez dejä que pour le grand public, pour vous, gens du 
monde, un dadaiste est Fequivalent d’un lepreux. Mais cela n’est 
qu’une forme de langage. Lorsqu’on nous parle de pres on garde 
envers nous le reste d’elegance du ä Phabitude qu’on a de croire au 
progres. A dix metres de distance, la haine recommence. Qa c’est 
dada. Si vous me demandez pourquoi, je ne saurai vous repondre. 
Une autre caracteristique de Dada, est la Separation continuelle 
de nos amis. On se separe et on demissionne. Le premier qui 
ait donne sa demission du Mouvement Dada c’est moi. Tout le 
monde sait que Dada n’est rien. Je me suis separe de Dada et 
de moi-meme aussitöt que j J ai compris la portee du rien.
	        

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