Full text: Ludwig Hilberseimer: Grosstadtbauten (18/19)

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drungen sein, der ingenieurhafte Drang nach Charakteristik darf 
nicht durch vorgefaßte Formvorstellüngen aufgehoben werden, 
DemArchitekten ist durch den Zwang der Arbeitsteilung und 
durch seine Ignoranz die Herrschaft über die konstruktiven Ele 
mente entglitten. Nur wenn er sie wiedergewinnt und schöpferisch 
beherrscht, wird er über die Unfruchtbarkeit seines Epigonentums 
hinaus zu wirklich schöpferischen Leistungen kommen. Nur die 
Gestaltung des Funktionellen wird zu reiner Architektur führen. 
Die konstruktive Funktion muß als Architektur erfaßt, die Ge 
spanntheit ihrer Verhältnisse, die Konstruktion selbst über 
ihre Materialität hinaus zur architektonischen Form werden. 
Künstlerisches Wollen wird zwar stets von entscheidendster Be 
deutung sein, aber dieses Wollen ist dadurch charakterisiert, 
daß es keines der die Einheit bestimmenden Elemente außer 
acht läßt, Errechnete Konstruktion und instinktives Massen- 
und Formengefühl müssen eins, sich Widersprechendes als Ein 
heit gestaltet werden, Mathematik und Aesthetik schließen sich 
nicht aus, sie sind gleichberechtigte Hilfsmittel, geradezu die 
Basis jeder Architektur, 
Abb. 2 Wohnhaus
	        
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