Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

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Nun in dem Brunnen sah er sich wie einen Armen, dessen 
geringe Habe zerstiickt und verstreut ist. Er schüttelte! 
sich hin und her, um fdie Trümmer zusammenzuschweißen, 
aber seine Dinge berührten sich fremd und waren sich nicht 
zugetan genug, um zu verwachsen. 
Das machte ihn wirrer als betrübt, denn er hatte sich 
sein Leben so errichtet, daß er ohne die Eindringlichkeit 
des Fremden die Fruchtbarkeit seines gepflegten Sinnes ern 
ten wollte; nun ward er gewahr, daß er verdorrt war 
wie ein ausgetrockneter Teich, dessen Grund zerfällt vor 
Dürre. ! 
Und erwachte daran, daß die 'Menschen hinter dem! 
Rande seines Alleinseins, die er allem Aeuß ; erlichem hinge 
worfen glaubte, mit der unaufhaltsamen Bewegung ihrer 
Aeußerung Ströme waren, die ihr Leben zu einem ergebenen 
Tal machten. 
Dies Erwachen war wie Fieber und seine Gedanken 
wurden vor Schmerz zu klein, um solche Landschaft zu 
betrachten, in sich kummervoll hingestreut, verlor er den 
Zusammenhang meiner Gefühle und wurde von dem Zufall 
seines Todes überwältigt. 
Während (die Kastanie immer zudringlicher die Schwärze 
ihres /Schattens auf ihn warf, und die Wiese und der Wald 
die Inbrunst ihres nächtlichen Lebens unbesorgt erhoben, 
starb Sylvester wie ein Tier unbewußt und keinem Sinne 
zugewandt. 
— lEine Kastanie fiel dumpf und wollüstig vom Baum 
und eine Eule kam schlafweich herangeflogen. 
— /Die Mitternacht blühte Innigkeit. 
Am andern Morgen aber kamen Einer oder Zwei, die 
begruben meinen Leib mit Frömmigkeit. 
A. E. G ü n t h e r.
	        

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