Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

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er preisgegeben war wie der Geile seiner Gier, und die 
ihn vor sieh herstieß durch die farblose Stadt, Landschaft 
und viele Menschen, bis er, aufgerissen, in sich die wenigen 
Worte fand, die er niederzuschreiben berufen war. 
A. E. Günther. 
Jean Arthur Rimbaud. 
„O douceurs, 6 monde, 6 musique!“ 
Rimbaud. Les Illuminations. 
I. 
Rimbauds Werk ist reich und schön »selten und gefährlich, 
wie eine Orchidee, wie die Digitalis, die er beschreibt, Blüten 
einer bilderreichen Jugend, die schon, als er dichtete, die 
Sehnsucht seiner Erinnerung war. Er ist Musiker. „Ein 
Musiker, der etwas wie den Schlüssel der Liebe gefunden 
hat.“ Seine Dichtung ist chaotische Musik, Aufbrausen über 
die Schönheiten einer niegeahnten Welt von buntschimmern 
den Ereignissen, Anbetung der tausend Gefahren und Ge 
walten harmonischen Unglücks und Versinken vor der Glut 
der eigenen Phantasie: „Je suis maitre de silence.“ 
Und doch hat er Furcht vor dem Schweigen. Die Stille 
um ihn ballt sich in wilde Dissonanzen, deren Auflösung 
nur er kennt, in Fantasmagorien, deren Herrschaft in seiner 
Jugend und in der Gewalt seiner Anbetung liegt. Es ist ihm, 
als habe er, der Meister, plötzlich nicht mehr die Gewalt 
alles aufzuhalten, was er selbst heraufbeschworen hat. Es 
ist das angenehme Gefühl plötzlicher Machtlosigkeit, er wird 
sich seiner Jugend bewußt: „Je ne pourrai jamais envoye 
Famour par la fenetre.“ 
II. 
Diesen Gegensatz seiner Musik zum Gefühl seines 
Schweigens deutet er um in eins, in das Gefühl einer weh 
mütigen Trauer um einen unwiederbringlichen Verlust von 
Dingen, die er nie besaß : „La musique savante manque ä 
notre desir.“ 
III. 
Das Bewußtsein seiner inneren, machtvollen Zerrissen 
heit verstummt vor seiner Anbetung: Durch seine Sinne*
	        

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