Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

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Die Kunst schreit nach Brot. 
Nicht alles ist groß, was uns dieser Krieg brachte, und 
nicht alle haben es verstanden den Anforderungen dieser Zeit 
gerecht zu werden. — 
Am wenigsten leider die Künstler, sondern gerade sie 
begingen den größten Fehler. 
Maler, Musiker, Schauspieler, Schriftsteller, alle — 
Daß in den Tagen der allgemeinen wirtschaftlichen Mut 
losigkeit gerade die Künstler mit Sorge in die Zukunft blickten, 
verdachte ihnen kein Mensch, daß sie heute die Hilfe an 
nehmen, die man ihnen bietet, verdenkt ihnen noch weniger 
jemand. 
Aber daß sie ein lautes Klagen begannen, ver 
denkt man ihnen mit Recht. 
All dieses hysterische Jammern und die Aufrufe hätten 
unterbleiben müssen, denn sie schlagen dem Ansehen der 
Künstler Wunden, die schwer zu heilen sein werden. 
Wer in ruhigen Zeiten besondere Gesetze für sich in 
Anspruch nahm, wer jeden Eingriff in seine Rechte ab wehrte 
und sich immer außerhalb der Allgemeinheit stellte, durfte 
nicht nach Brot jammern. 
Die Folgen werden nicht ausbleiben. 
Die Bürger werden in Zukunft die Künstler und ihre 
Forderung, mit eigenem Maß gemessen zu werden, noch 
weniger ernst nehmen als zuvor und ihre frühere achtungs 
volle Entrüstung über die Künstler wird sich in Gering 
schätzung wandeln. — 
Und das Bittere ist: Die Bürger haben Recht, denn die 
Künstler haben es am Wichtigsten, an der Selbstachtung fehlen 
lassen. 
Sie hätten hungern sollen, wie sie’s zuvor ja auch 
taten und sie hätten endlich schweigen lernen sollen. 
Walter Heidmann.
	        

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