Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

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Die Psalmen des Krieges. 
Gott Krieg sang: 
S ü n d f 1 u t: 
Ich kam in den Regenwolken. 
Sturm war mein Atem, und Blitz mein Auge. 
Ich sah Euch, Menschenvölker, und weinte. 
Meine Tränen rannen, in Strömen stürtzten sie erdwärts, 
und es ward die große Flut. 
Die Menschen kauerten auf den Felsen und schrieen. 
Es ging ein großes Sterben durch die Welt. 
Da die Welt aber gereinigt war, ließ ich meine blauen 
Augen strahlen und setzte den glitzernden Bogen 
auf mein Haupt: das Zeichen des Friedens und der 
Eintracht. 
Geschlechter, die kamen, nannten jene Flut — Sündflut, und 
sie nannten sie mit Schrecken. 
Geschlechter, die kamen, hörten von jener Flut, und sie 
hörten von ihr mit Grauen. 
Geschlechter, die kamen, lasen von jener Flut, und sie 
lasen von ihr mit Staunen. 
Doch Ihr, Geschlechter dieser Tage, Ihr, sähet, hörtet und 
laset nicht von ihr. 
Euer Gang wurde fest und steif, Euer Blick hart und kalt, 
Eure Herzen waren aus Eisen und Stahl. 
Liebe hieß Euch Kinderspiel, Propheten schaltet Ihr Narren. 
Glaube war ein duftiges Sommerkleid, das schneller blich, 
denn Blumenrot. Euer Glaube war allein Eure 
Größe. Und sehet, diesen Glauben kam ich, Euch 
zu nehmen. 
Ich setzte mein Horn an die Lippen und sprang auf meinen 
schwarzen Hengst. 
Ritt durch das Land, als der Himmel mit blutigen Fingern 
die einsamen Pappeln am Wegrand umkrallte, und 
das Schweigen war mein Lied, die Einsamkeit mein 
dröhnender Herold.
	        
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