Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

13 
Mein Horn aber tönte gell und schrill, wie der Schrei des 
Greif, der mit grauen Flügeln hinter meinem Odem 
jagte, und den sie Pest fluchen. 
Wiederum komme ich mit den Regenwolken. Die Menschen 
beten zu mir: 
Gott —, schütteln die Faust nach mir: Krieg. — 
Und ich bin weder Gott noch Krieg. Sie wissen nicht, daß 
ich nichts bin, wenn sie nichts sind. Darum bin 
ich so ganz Gewalt, Kraft, Natur. 
Sie sagen, ich hätte zwei Augen, das eine: Krieg, böse 
und wild, das andere: Gott, gut und still. 
Sie irren, eines ist es, man hat es Seele geheißen. 
Sie können es nicht sehen, weiße Nebelschwaden bargen 
mein Antlitz. 
Jetzt aber reiße ich den Schleier von meinem Haupte und 
sprenge über die Heide. 
Wo mein Horn gellt, weinen Frauen und jagen Männer sich 
Mord in die Brust. 
Wo mein Roß wiehert, dampft die Erde Blut. 
Es läuten die Glocken mich durchs Land: Krieg! 
Sehet, so bin ich wieder zu Euch gekommen, die Ihr praßtet 
und prachtet. 
Ich kam in den Regenwolken, Sturm war mein Atem, und 
Blitz mein Auge. 
Der Tod ist mein Troßbube und Blut mein Banner. 
Schließet die Tore und lauschet mit Angst in Euren Betten. 
Eine neue Flut wird über Euch hereinbrechen — eine Sündflut. 
Klammert Euch an die Felsen, und sie werden bersten. 
Keine Arche wird Euch bergen, keine Taube Euren 
Oelzweig tragen. 
Sie dienten Euch, weil Ihr glaubtet. An wen glaubt Ihr nun? 
Ihr glaubt an mich, der ich gewaltiger bin denn der Antichrist. 
Ihr sprechet wahr, denn ich bin mehr denn Antichrist und 
Uebermensch. 
Ich bin der Widermensch und ich lebe solange Ihr lebt und 
siege über Euch, da Ihr mich nicht besiegt. 
Jetzt ist Zeit, Gerichtstag zu halten. Wie schwer werdet 
Ihr mich tragen; denn Ihr habt mich leicht befunden. 
Ich bringe Haß und nicht Frieden. Ich werde ihn nicht 
bringen, es sei, daß Ihr ihn bringt. 
Kein Tag ist zu sehen, Finster lähmt die Sinne. 
Ein großes Sterben geht durch die Welt, — 
Heiho, ich und mein Horn.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.