Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

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DER MALIK 
Fortsetzung*) <dem blauen Reiter Franz Marc) 
Mein Rüben, lebe wohl! Der Rücken Meines Dromedars dient Mir als Pult, dir 
noch einen frommen Abschiedsgruß zu senden.Oben am Himmel glüht gezückt 
der gebogene, goldene Monddolch. Wir werden den Prinzen von Moskau 
aus seiner Gefangenschaft befreien, so wahr Ich Jussuf Abigail der Malik bin. 
Das waren die letzten Worte, die der Basileus von Theben seinem Halb 
bruder, dem blauen Reiter Marc von Cana schrieb. Seitdem schimmerten 
seine Augen bunt wie der Fluß, an dem seine Stadt lag. Nachts verbrachte 
er in seinem Lieblingsgarten, reihte die roten Beeren der Astrantsträucher 
auf Schnüre oder bog wie ein Kind die Stengel der Pusteblumen wilder 
Wiesen zu Ringen und fertigte Ketten an. Lauter Spielerei. Osman holte 
dann den lächelnden Kaisernoch vor Sonnenaufgang in den Palast zurück, weil 
er einmal einen Stadtalten zu einem Stadtalten flüstern hörte von desMaliks 
plötzlicher Verblödung. Aber des Kaisers strahlendes Gesicht bürgte für seine 
Unbrüchigkeit. Für ihn regierte schon der Herzog von Leipzig, sich an das hohe 
Amt zu gewöhnen, das ihm der Basileus in seiner Abwesenheit, in der Zeit 
seiner großen Wallfahrt übertrug. Daß kindliches Spiel »schlummern« be 
deute, äußerte der hohe Freund seinem feinen Gast. Und er müsse viel, viel 
schlummern vor seiner Reise, deren Sonne nicht untergehen dürfe. Nicht oft 
genug konnte Jussuf seinen treuen Neger befragen, ob er wohl <der Malik) 
dem feinen Gast gefalle? Über das Wasser des Brunnens seines Schlaf 
gemachs neigte sich Jussuf Abigail oft heimlich auf Zehen, um manchmal 
enttäuscht zu brüten. Aber gläubig hingen seine Gedanken an dem Pilger 
zuge, den er noch im selbigen Monat am Siebten des El Aschura zu unter 
nehmen gedachte. Osman, der unersetzliche schwarze Knecht, verkürzte dem 
Kaiser die Zeit, indem er ihn belustigte, einen Kosaken nach dem andern, 
die sich ihnen auf der Wanderung feindlich in den Weg stellen würden, 
auffraß. Jedesmal eilte dann der Kaiser durch die Vorräume und Gemächer 
seines Hauses, den Hans Adalbert zu holen,- so, daß er ihn oft in seinen 
Regierungsgeschäften störte. Der Herzog von Leipzig schrieb dann von der 
Spiellust seines thebetanischen, kaiserlichen Freundes ganz ergriffen dem 
Kardinal von Ostreich. Der Malik ist mir der liebste Freund, den ich je 
besessen habe, darum bitte ich Eure Eminenz Ihren Einfluß geltend zu 
machen, den Malik an seiner todbringenden Expedition zu hindern. Der 
östreichische Kardinal warnte dann einige Male vergebens den Malik in 
• Jede Fortsetzung ist in sich geschlossen. »Der Malik« erschien bisher in der »Aktion«.
	        
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