Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

Wir haben es dem Baugesetz gespendet, 
In dem der Geist über Gestirnen thront. 
* 
In die Rotonda ist ein stolzer Stern gezogen. 
Er wohnt im Kuppelraum und hält die Menge fern. 
Er kam über die Seele arglos angeflogen, 
Und drang in unserm Wesen immer auf den Kern. 
Dann hat Palladio ernst den Bauherrn ausgewogen, 
Und seiner Hand entglühte abermals der Stern. 
Tritt ein ins Heiligtum, bedenk die keuschen Tritte, 
Du kommst zu dir, das Große trifft dich aus der Mitte. 
Der Seele Freiheit sind die hehren Sternenmaße, 
Der Geist der Ebenbürtigkeit beschließt den Kreis. 
Der Wirkungen Vollendetheit verlangt die Straße, 
In ihrem Abschluß liegt der Bündigkeit Beweis. 
Die Strenge hebt sich auf in einem Brunnenspaße: * 
Genuß und Tugend halten Bürger im Geleis. 
Das ist die Stadt, in der die Männer offen sprechen, 
Berechnet bleiben und mit keiner Eignung brechen. 
Ihr nennt Vicenza nüchtern, unbekehrte Schwärmer! 
Paläste von Palladio stehn für Sterne da. 
Dem Geist in der Musik sind die Erfinder Lärmer: 
Wer Wahres sagt ist wachsam allem Anfang nah. 
So werdet einfacher, vollendeter und ärmer, 
So mancher schwelgte, weil er nie Vicenza sah! 
Palladios Kunst hat uns Natur zurückgegeben, 
So kommt, gelingt es euch dabei zurückzubeben. 
Vicenza kann die Sterne über Tag erhalten: 
Die Himmelsbahnen gehn in Meisterbogen auf. 
Gestirne wollen klar unter den Geistern walten: 
Hier wartet man, im Himmel wirken sie zuhauf. 
Palladio kann uns unsichtbar die Welt verwalten, 
Denn nach Vicenza mündet jeder Schicksalslauf. 
Ihr mögt euch kühn nach Künstlersicherheiten richten, 
Ein klares Werk beherrscht die unbedingten Pflichten.
	        
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