Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

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ICH VERLANGE EIN REITERSTANDBILD. 
Gebt mir's! Gebt mir mein Reiterstandbild! Zögert nidit länger! Sonst fresse ich 
euch auf — und ich habe bewiesen, daß ich's kann. Ihr kennt meine Taten. Brau® 
dien die andern Kerle Reiterstandbilder? Gestern erst stopfte ich das <zäh sakrale) 
Fleisch der Kaiserin Tun®Teeh von Topfnachtien in ihr eignes Gedärm und ver® 
speiste es als Mettwurst: warum also länger warten? Soll ich auch noch den Pro® 
fessor Witzlamopski®Tor%emüll <als Vomitiv) schlingen? Ich habe genug gegessen, 
bin satt. Setzt mir jetzt ein Reiterstandbild! Eiserne Mynonas will ich,* und schämen 
solltet ihr euch, daß ich euch erst mahnen muß. 
Mit mir steht es nicht einfach so, daß ich nichts getan hätte als, wie Gerhart 
Hauptmann sich schmeicheln mag, gelebt und geliebet. Ne! Ich tat etwas, das nie 
in eines Menschen Gedanken kommt: ich nieste, ich nieste meine Menschheit aus,* 
das, das, das, das könnt ihr nicht. Ihr weisen Esel! Ihr impotenten Korrekteriche! 
Ihr alten Männer, die ihr mir in der würdigsten Haltung mit ernstem Antlitz die 
Hand drücken wollt: ich brate mir euer ernstes Antlitz und esse euch die würdigen 
Hände auf. Ich weine auch nie über den Tod heilig ernster Menschen oder gar 
Professoren,* meine Tränen kommen von dem Lachen, das midi sofort erschüt® 
tert, wenn ich sie und ihre <leicht gemästet und mit Äpfeln gefüllt ganz schmack® 
haften) Damen trauern sehe. Ich bin wie die Musik <sdhon deswegen verdiene ich 
mein Reiterstandbild): sie weiß nicht, was Trauer ist, ist durch und durch selig 
und löst allen Ernst, welchen der Mensch gern in sie steckt, mit himmlischer Leich® 
tigkeit in ihr konstantes Lachen auf, das so spiegelglatt ist, daß es nicht die merk® 
lidhste Welle mehr wirft und die dummen Burschen und selbst die klügsten alten 
Damen ruhig glauben läßt, es sei nicht vorhanden, und die Musik sei ernst wie 
ein Mensch. 
Du aber seiest wie Niobe, sagst du mir, du weinst und behauptest, du habest 
keine Tränen mehr, du nennst mich hartherzig. Ich aber finde dich herzig, ich lecke 
dir die Tränen von deinen weichen warmen Wangen, esse dich auf,- ich früh® 
stücke dich und freue mich heißhungrig auf mein Reiterstandbild. Gut bronziert im 
lustigen Galopp auf Schloßplätzen über euren Jammer zu sprengen, diese Aus® 
sicht läßt mich in hellen Jubel ausbrechen, so daß ich gleich einige Männerchen auf® 
fresse, die in der Tat nach ihrer eignen Aussage beträchtlich mehr Haltung als 
Geist haben: sie haben genau die Haltung von allerlei Dummbarten und Apfel® 
Schnitzlern,* den Geist werden sie nie aufgeben, sie haben keinen,* und sobald ich 
sie verdaue, wird aus ihrer Haltung halt Dung. Sie fragen mich, Frau Meier, 
weshalb ich alle Augenblicke Menschen esse? Statt der Antwort, auf die Sie ge 
spannt sind, röste ich mir Ihr rechtes Hinterviertel und lache darüber, daß wir beide 
schneiden: Sie Grimassen,* ich das Gegenstück Ihrer sauren Miene.
	        
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