Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

AUS »HESPERIEN«. 
Die Grenze unsrer Welt, das unermeßne Schweigen 
Ersetzt den Schatten neben uns in großer Nacht. 
Es setzt sich hin zu dir, kann sich noch näher neigen, 
Wann fühlst du seinen Hauch? Er ist zu leicht und sacht. 
Auf einmal wissen wir: Man kann noch tiefer steigen: 
Erst unterm Schweigen ist der gute Mensch erwacht. 
Du überläßt dich deiner Einsamkeiten Stufen, 
Da wird dich niemand wecken oder tiefer rufen. 
Man weiß im Grund, was uns die Sterne einst verhießen, 
Ihr bleibt ein unerfüllter Ruf nach der Geburt. 
Du mußtest dich aus Zufall in dich selbst ergießen, 
Nun lebst du, doch von fremden Führungen umspurt. 
Bedenkt, ihr Menschen, ob ihr recht mit euch verfuhrt? 
Die Sterne haben ewge Richtungen gewiesen: 
Geduld. Wozu so rasch den Schrei ins Ich erkiesen! 
Mir ward ein altes Land für meinen Blick beschieden. 
Die Völker haben hier bereits ihr Werk vollstreckt. 
Nun bringt die Tat der Seele unverlornen Frieden: 
Ideen werden unter Skeptikern erweckt. 
Der Reife hat den kleinen Einfall stets vermieden 
Und in sich selbst die Weltvermittlungen entdeckt. 
Es zeigt der Zweck des Geistes unerfüllte Lehren, 
Das Denkmal liegt vor uns: wir müssen es verehren. 
Du bist zu kalt, um leidenschaftlich Krieg zu führen, 
Zu klug, um einen Sinn der Dinge einzusehn,- 
Doch kann dich jede Angst und keusche Freude rühren, 
Und hilfreich wirst du jedem gern entgegengehn. 
Doch auch des Ringens große Würde sollst du spüren,- 
Bald wird der Feind vor dir als dein Gespiele stehn. 
Oft ward ein Feldzug ohne Blutverlust gewonnen, 
Des Geistes volle Herrschaft hat dereinst begonnen.
	        

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