Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

1. 
Es gibt Leute* die 'behaupten, dass unsere mo 
derne Plakatkunst eine vorübergehende Modesache sei, 
aber ich möchte gerade das Gegenteil aussprechen ’ 
Ich bin ein grosser Liebhaber und Förderer dieser 
neuen Kunstverwertung, aber nach meiner festen Ueber- 
zeugung gewinnt die Plakatkunst einen immer grösseren 
Anhängerkreis und wird, dauernd bestehen bleiben, 
wenn nicht einmal eine Erfindung gemacht wird, die 
das ganze künstlerische Propagandafach umwirft. (Aber 
so etwas ist wohl die nächsten Jahrzehnte nicht zu 
befürchten). Denn aie Plakatkunst erfüllt ihren 
Zweck: sie ist eine gute und geschmackvolle Reklame. 
2. 
Ein Plakat muss vor allen Dingen den Vorüber - 
gehenuen sofort fesseln. Man muss dem Plakat gleich 
ansehen, für welche Branche es gedacht ist und es 
darf also keine Zweideutigkeit aus dem Bild hervor 
gehen. Schrift und Bild müssen als ein einheitliches 
Ganzes wirken und sich gegenseitig ergänzen. Je we 
niger Schrift ein Plakat enthält, desto wirksamer ist 
es und einen desto längeren Eindruck hinterlässt es • 
dem Beschauer. - 
Welchem Lande man in der Plakatkunst den Vorzug 
einräumen muss, kann ich hier nicht a.n& ben; das wür 
de zu weit führen. Begnügen wir uns mit der erfreu 
lichen Tatsache, dass Deutschland im modernen Plakat 
wesen eine grosse Rolle spielt und mit an der Spitze 
steht* Jm Deutschen Reich sind Berlin und wohl auch 
München die führenden Städte und grösstenteils mass 
gebend für die Kunstvertreter anderer Gegenden. Als 
Berliner möchte ich eine kleine Besprechung über das 
Können unserer Berliner Plakatkünstler wiedergeben, 
in der Annahme, dass sich ein grosser Teil unserer
	        

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