Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

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Der Malik hielt sich nach der kleinen Mißstimmung zwischen Ihm und den abend* 
ländischen Gästen eine Weile vor ihnen verborgen,- aber Er beauftragte Oßman 
den Rittern Sehenswürdigkeiten der Stadt zu zeigen. Und der Somali führte die 
Krieger in den großen Malikturm. Die kleine Karawane kletterte unzählige Stufen 
der Treppen in die Himmelshöhe, als Letzter, Ismael, der greise Oheim Oßmans 
mit dem kleinen Mir auf den Schultern,- diesem folgte die vornehme Leibwache 
des Maliks. Über Weizenfelder und Zitronenwälder flogen die Augen der An* 
gelangten. Des Somalis spitzgeschliffene Zähne lachten. Sitti Ismael, wie der Kaiser 
den Oheim des Lieblingsnegers seines hohen Alters wegen ehrerbietig von jeder* 
mann genannt wünschte, hatte vom Maltzaner Herzog etwas abendländisch ge* 
lernt, erzählte den Soldaten die Vorgeschichte aus jedem Hause der unvergleich* 
lieh blauen Stadt. Nicht wenig waren die Arier überrascht, als sie plötzlich auf dem 
weiten Spielplatz Jussuf Abigail erblickten im Kriegerschmuck,- alle färben Per* 
len sangen um Seinen Leib, Ihn umgaben Thebetaner ebenfalls in Kampftracht. 
Der Malik schien keinen der Zuschauer oben auf dem Turm Seiner Stadt zu be* 
merken, und Oßman riet schalkhaft den Soldaten sich ja unauffällig zu verhalten. 
Der hohe Bumrangkrieger schleuderte Seine hölzerne Mondsichel leicht, fast vir* 
tuosenhaft durch die Luft und fing sie wieder auf im großen Kreis, jedesmal mit 
hellem Kriegsgeschrei, das von Seinen Getreuen begleitet wurde. Beim Mond* 
aufgang begegneten dem wilden Kaiser Seine abendländischen Gäste im lebhaften 
Gespräch, erröteten noch vor Entzücken in der Erinnerung des erlebten Schau* 
spiels. Der Roller meinte derb zu Hutten gewandt: »Bei Dem wär kein Indier 
übrig geblieben.« Abigail vernahm diese Schmeichelei und es hob Seine Eitelkeit. 
Schloß sich den uniformierten Gästen bei ihrem Spaziergang an, schüchtern lächelnd, 
die stritten sich um den Gang an seiner Seite. Die beiden Brüder Roland und 
Wetterscheid und deren Freund Maria von Aachen, Karls Sohn, hatten schon 
ganz vergessen, warum sie in Jussufs Stadt gesandt wurden, so überaus glücklich 
befanden sie sich hinter den sieben singenden Säulen, darum sie Schill rügte aus 
diensteifriger Gewohnheit. Der Roland von Berlin und Heinrich Maria stiegen 
beherzt über den Zaun in den Garten, hinter dem das Prunkgemach des Maliks 
lag. Der säumte in Gedanken der Morgenfrühe nach, hing wie eine schwermütige 
Dolde am Traum der heißen Welt. Roland, der aus seidigen Papieren Monde 
und Sternlein zu schneiden Vorstand, reichte zärtlich dem erwachten Kaiser diese 
kindlichen Gaben mit lieben Versehen beschrieben undMaria, Karls Sohn, schenkte 
dem Jussuf einige Heiligenbildchen, die er gemalt hatte im geschnitzten Rahmen,- 
und der Kaiser ließ Sich von ihm diese Ihm fremdeMalerei erklären, bewunderte 
seinen Mahagonikopf,- fast blau wirkte auf Ihn die glänzende Dunkelheit seiner 
Haare, ebenso blau wie Rolands glückliche Augen waren. Und er sprach diesen 
neuen Freunden von Seines Herzens Alleinsein, von Seiner unerlaubten Liebe 
zu Gisel dem Arierfürsten. Und Roland mit seinem guten Kindergemüt vergaß 
jede Schranke, patschte mit seinen Händen liebkosend über Jussufs Wange und 
so trösteten die beiden fremden Soldaten Ihn, den mächtigen, hilflosen Malik. Von 
ferne sahen sie die Häuptlinge scherzen mit den Abendländern, Morderche'f und 
Lederstrumpf schlenderten herzlich befreundet an die Menschen Thebens vorbei, 
hielten sie an und Lederstrumpf erzählte ihnen von W ild W est und seinen Rothäuten,-
	        

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