Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

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Kirchhoff,der mir der liebste Jung-Siegfried ist 
(&lso eine dem reinen Toren geistesähnliche Gestalt) 
ist - seltsam genug - kein Parsifal. Sein Spiel und 
Sang ist ohne inner© Teilnahme: - "Durch Mitleid 
wissend - " Wir hörten’s, und es ergriff uns nicht. 
(Hur von unten aus dem Orchester tonte eine unbe- 
zwingliche Macht zu uns herauf. Wir schlossen die 
Augen - - Kirchhoff v erschwand - ) 
Frau L@ffler-Burkard ist herrlich. (Für den 
zweiten Akt etwas zu reif). «Ihre dramatischen Ak 
zente und Leidenschaftlichkeiten wühlen in uns. Sie 
ist ungeheuer. 
Das Erlebnis des Abends: Knüpfer als Gurnemanz. 
Als der Vorhang niederrauschte, war mir unsagbar 
weh. Ich blickte mich um. Mein Freund hatte Tränen 
im Auge. Jch drückte ihm stumm die Hand. Wir hatten 
uns ganz verstanden - Dann gingen wir lautlos hin 
unter . 
Vor der Tür etwas Widerwärtiges. Autos. Weisse 
Strümpfe und Schuhe mit langen Absätzen. Geschlitzte 
Kleider. Decolletes. Cylinder. Fracks.- "Also essen 
wir bei Richards oder bei Traube - V ?" 
Hinten am Bühneneingang ein kleines Männchen 
mit hastigen Schritten, allein - ungesehen, eine 
Mappe unterm Arm. Scheu wie verloren: Leo Blech.- 
Friedrich Hollaender.
	        
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