Full text: Neue Jugend (1-5;7-11/12)

Gen Süden. 
von Otto Laender. 
Aus leuchtender Halle gleiten die Wagen, 
Aus Stimmengewirr in die stumme Nacht. 
Abschiedsworte verhallen im Winde, 
Ganz in der Ferne weht noch ein weißes Tuch 
Zum Abschied! — Leb wohl. 
Es rattern und rasseln, es schaukeln die Wagen 
Im Rhythmus, im Rhythmus hin durch die Welt 
Ich schaue hinaus in die schweigende Leere,, 
Hier blitzt und dort blitzt ein zwerghaftes Licht. 
Schnell, schnelle vorbei. 
Das Gas brennt trüb und die Menschen sind müd, 
In der Ecke schläft einer und lächelt im Traum. 
Träumt er von Lieben, zu denen er eilt, 
Träumt er von Glück, das er sich erhofft? 
Schweigen, Schweigen — der Schlaf! 
Matt wandle ich durch den dumpfigen Gang, 
Sende die Blicke empor zum sterneblitzenden Himmel. 
Fauchend rast das schwarze Gespenst rotäugig über die 
Schienen. 
Neben mir steht ein bleicher Geselte und schluchzt: 
Fort, fort in die Fremde. 
Im Winde draußen zerstieben blutige Funken. 
Ganz hinten, ganz hinten glimmt es schon schwach. 
Zu beiden Seiten des Wegs riesige Stangen, Gewirr von 
Draht, 
Ich öffne das Fenster und kalt weht die Luft. 
Ich fröstle, fröstle und schaudre. 
Schnell ziehen die Wiolken, es bleicht der Mond. 
Es wirbelt und tanzt der Rauch in der Luft. 
Die Sonne bricht strahlend hervor, und die Menschen 
Wärmt, ermuntert und stärket ihr Licht. 
Durchs Fenster, durchs Fenster strömt Morgenluft. 
Wir eilen, wir eilen. Nur selten, ganz selten 
Halten wir, bleiben wir wenige Minuten. 
Dann geht es, dann stürmts im wilden Takt
	        

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