sucht. Sie iwar daheimgeblieben, vielleicht, um ihren Schmerz
vor der mitleidslosen Neugier Fremder zu verbergen.
Langsam begann es Abend zu werden. Die Dämmerung
strich mit grauen Eulenflügeln durch die Fenster, hinter
denen der Regen noch immer seine Netze spann.
Unfähig, mich der trostlosen Stimmung zu entreißen,
in die mich der welke Lilienduft, der Regen und die Abend
dämmerung eingesponnen hatten, ließ ich meinen Gedanken
freien Lauf.
Sie stiegen die Treppe hinab bis in das erste Stock
werk und öffneten die Tür. Der Duft der vielen Blumen
wurde hier sehr stark, fast betäubend.
In einem Zimmer waren die Vorhänge herabgelassen.
Ein blasses, entnervtes Licht herrschte hier. Es duftete
ächyver nach Essenzen, Wein und Chypre. Alle Möbel
waren in Gelb gehalten, Gelb mit Schwarz. Und viele
Spitzen. In ovalen Rahmen hingen die Bilder der Ver
storbenen. —
In einer Ecke hinter dem gestickten japanischen Wand
schirm stand ein zerwühltes Bett. Eine Frau in einem
schwarzen Seidenkleid lag darüber, die Hände in die Spitzen
gekrallt.
Ihr Gesicht war verzerrt und gelb; es schien uralt
zu sein, mit plötzlichen Runzeln auf der Stirn und in den
Mundwinkeln.
Manchmal stöhnte sie. Dann trommelte der Regen wie
rasend gegen sdie Fensterscheiben. |Er war jetzt ein wütendes,
boshaftes Tier.
Die Frau stöhnte wilder; sie stemmte die Ellenbogen
keuchend in die Kissen und warf den Kopf verzweifelt
zurück, daß die weißen Haare wie gespenstige eilfertige
Spinnen über die Kissen krochen. . . .
Da fuhr ich jählings aus meinen Träumereien auf und
sah mich verwirrt und fassungslos in dem halbdunklen
Zimmer um. Draußen hatte auch der Regen plötzlich inne
gehalten, als wollte er gleich mir auf etwas lauschen, das
zu überraschend, zu sonderbar war, um sofort verstanden
zu werden.
Unter mir, im ersten Stock, hatte jemand angefangen,
Klavier zu spielen. . . . Nein, so kann man es nicht nennen:
es war ein Wüten auf dem Instrument, als schlüge ein Tier
mit breiten Tatzen zu.
Die Töne klatschten auf und spritzten gegen die Wände,
lö ’