Full text: Schutzhaft : Erlebnisse vom 7.-20. März 1919 bei den Berliner Ordnungstruppen (2)

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bald darauf Herr d’Arguto, Mitarbeiter der „Weltrevolution“, 
beide auf ähnliche Weise wie ich verhaftet; zuletzt ein Herr K. 
aus München, der direkt aus einer öffentlichen Veranstaltung 
geholt worden war, wo er eine Werbeansprache für die Garde- 
Kavallerie-Schützen-Division mit Zwischenrufen wie: Schwindel’ 
Liebknecht und dergleichen, unterbrochen hatte. Begründung: 
Störung einer „Amtshandlung“. — Alle diese Herren waren 
mir indirekt bekannt. — Auf Verlangen wurden auch noch 
einige Gartenstühle hereingebracht, so daß wir wenigstens 
sitzen konnten und uns recht angenehm unterhielten. Auch 
verkaufte man uns ein kleines Kommißbrot für 4 Mark. Ein 
Teil der Verhafteten (die vor 7 Uhr Eingelieferten) erhielten 
jeder ein Stück Kommißbrot und etwas Butter. Auch Ziga 
retten, Bier und dergleichen konnten wir für Geld erhalten. Die 
wachhabenden Truppen benahmen sich überhaupt nicht un 
freundlich, einige waren sogar Äußerungen, die an ihr Ge 
wissen appellierten und ihren Dienst bei den freiwilligen Korps 
als unethisch bezeichneten, erstaunlich zugänglich, erklärten 
jedoch ihre Bereitwilligkeit zum freiwilligen Militärdienst mit 
finanzieller Notlage und Arbeitslosigkeit. 
Wir brachten fast die ganze Nacht aus Mangel an Schlaf 
gelegenheit wachend zu. Erst gegen Morgen versuchten wir zu 
schlafen, zwei Personen auf den schmutzigen Holzwollsäcken 
ausgestreckt, die anderen auf dem blanken Boden, Stühlen oder, 
wie ich, auf dem Tisch. Am Morgen bekamen wir Kaffee 
und Brot mit Marmelade. 
Der kranke alte Herr war bereits am Abend noch ab 
geholt, aber, wie wir später ersahen, nicht freigelassen worden. 
Der Schweizer erwachte quittengelb, die Lippen schwärzlich 
so daß er sich dem Arzt vorstellen ließ, was ihm aber nichts 
half. Samstag Mittag erhielten wir ein dürftiges, aber genießbares 
Militärmittagsmahl. Etwa um drei Uhr öffnete sich die Tür und 
neun Männer wurden mit auf dem* Rücken gefesselten Händen 
hereingeführt; außerdem ein junges Mädchen von etwa 16 bis 
17 Jahren ungefesselt. Ein ihr Bekannter unter den Häftlingen 
hatte ihr ein Schreiben für seine Angehörigen zugesteckt, das 
sie, als man es ihr abverlangte, zerriß, weil sie den Inhalt nicht 
kannte. Darauf verhaftete man sie. 
Wir lösten die Fesseln, die zum Teil aus Handschellen, 
meist aus den eigenen Hosenträgern der Verhafteten bestanden, 
und fragten nach ihrer Herkunft, warum sie gefesselt seien usw. 
Es waren Angehörige des Arbeiterrates Britz, u. a. der erste 
Vorsitzende Herr K—1. Sie hatten gegen die Fesselung mit 
Hosenträgern protestiert, da die Hosen rutschten,„der Leutnant
	        

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